Blasphemie Gesetz in Irland tritt in Kraft
Mit 1.1.2010 tritt in Irland ein Anti-Blasphemie-Gesetz in Kraft, dass seinen Ursprung in der Irischen Verfassung von 1937 hat, in der es heißt: “Die Veröffentlichung von gotteslästerlichem, umstürzlerischem oder unsittlichem Material ist ein Vergehen, das strafbar sein soll.”
Die Verfassung zu Ändern sei laut Irischem Justizminister (in Zeiten der Wirtschaftskrise) zu teuer und langwierig und so wurde zum Unverständnis von Gläubigen und Atheisten im Sommer 2009 das Gesetzespaket beschlossen, welches die Veröffentlichung blasphemischen Materials mit einer Geldstrafe von bis zu 25.000 Euro belegt.
Um so unverständlicher erscheint dieses Gesetz, weil kein einziger Geistlicher (weder jüdisch, christlich noch muslimisch) härtere Strafen für Blasphemie gefordert hatte.
Definition von Blasphemie:
Drei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit jemand wegen Gotteslästerung belangt werden kann:
- Es muss sich um Material handeln, das die Gefühle von Gläubigen stark verletzt.
- Es muss eine Störung des öffentlichen Friedens vorliegen.
- Es muss nachgewiesen werden, dass der Lästerer diese Störung gezielt herbeiführen wollte.
Geschützt wird dadurch die sensibelste anerkannte Religion, deren Glaubende als erstes angerührt sind und am schnellsten einen Aufruhr erzeugen. Diesem Aufruhr will die Irische Regierung meiner Meinung nach im Ernstfall gesetzlich Einhalt gebieten, indem sie Religionskritikern prophylaktisch (oder zur Beschwichtigung der Meute) den Mund verbietet.
Das perfide an dem Gesetz ist, dass es fast zur Gänze von der Beleidigtheit der Glaubenden abhängt, ob eine Religionskritik zur Gotteslästerung und somit nachträglich zur Straftat wird. Es ist gelinde gesagt die Einführung einer Art Lynchjustiz, die sich im Ernstfall selbst legitimiert und Menschenrechte und das Recht auf freie Meinungsäußerung außer Kraft setzt.
welt.de schrieb am 22.07.2009:
“Michael Nugent, Mitinitiator der Plattform “Atheist Ireland”, nennt die Novelle in einem Zeitungsartikel “sowohl dumm, als auch gefährlich“. Dumm, weil ein “mittelalterliches religiöses Verbrechen in eine moderne und pluralistische Republik” übertragen werde. Und gefährlich, weil Anreize für “religiöse Entrüstungsstürme geschaffen werden, da nun eine exakte Definition von Blasphemie” vorliege.”
Nun da das Gesetz in Kraft getreten ist, hat “Atheist Ireland” 25 “blasphemische Zitate” unterschiedlich berühmter Personen vorerst im Internet publiziert, um aufzuzeigen, wie rückständig und unvollziehbar diese Gesetz ist. Nachzulesen hier: 25 Blasphemous Quotations.
Zitiert werden auch einige religiöse Figuren, wie Jesus, Mohammed, Papst Benedikt XVI etc. deren Aussprüche jeweils andere Religionen nunmehr in gesetzeswidriger Art diffamieren.
Ziel der Aktion ist es, dass die Straftat “Herabwürdigung von Religionen” zur Gänze aus der Irischen Verfassung gestrichen wird.
Atheist Ireland bescherte dieses Gesetz einen gewaltigen Mitgliederzuwachs und weitere Gruppen zur Säkularisierung Irlands haben sich formiert.
Links:
(Blasphemiegesetze gibt es in vielen Ländern, so auch in Österreich §188 und Deutschland §166 . Irland hat im Dezember gegen eine UN-Resolution gestimmt, die Blasphemie strafbar machen soll. Österreich hat bei Durban II diejenigen EU-Mitgliedsstaaten (Deutschland, Tschechien, Italien, Polen, etc.) kritisiert, die die “Antirassimuskonferenz” boykottierten.)












