“Psychisch defizitär, krankhaft und therapiebedürftig…”

Der Joke, dass es sich bei der Kirche um die älteste und größte Schwulenorganisation der Welt handelt, ist nicht gerade neu. Auch nicht neu ist die Tatsache, dass aus eben dieser Kirche die verbittersten Schwulen-Feinde kommen. Zu diesem Zweck wird gehetzt, verflucht, verdammt, gegeifert und seit einiger Zeit auch geheilt! Die sogenannte Ex-Gay-Bewegung sammelt Schwule, die mit ihrer Sexualität und ihrem Leben (sollte es nicht eher heißen: mit ihrer feindlichen Umgebung?) nicht klar kommen, verdammt alle wissenschaftliche Erkenntnisse, und ersetzt sie durch absurde religiöse Indoktrination. Besonderen Zulauf erhält diese “Bewegung” in den USA, allerdings gibt es auch in Europa derartige Bestrebungen, wenn auch in geringerem Ausmaß.

Eine dieser Organisationen war der evangelikale Schweizer Verein “Der neue Weg”. Der Verein hält unter anderem Vorträge und Seminare für Jugendliche. Noch im Juli 2007 empfahl er in seinem Rundbrief folgende Webseiten und Organisationen:

Nun aber dürfte sich ein gar wundersamer Sinneswandel vollzogen haben. Im aktuellen Rundbrief (PDF) von April 2008 schreibt der Verein (Hervorhebungen durch uns):

Es ist notwendig von Zeit zu Zeit eine Standortbestimmung zu machen. Wir, als Vorstandsmitglieder von Der Neue Weg (DNW), sind Christen mit homosexuellen Empfindungen. Wir befinden uns erfahrungs- und erkenntnismässig in einem stetigen Prozess. Altes müssen wir überdenken, eventuell korrigieren oder gar über Bord werfen und Neues fordert uns heraus und verlangt nach Klärung…

Was wir anlässlich unserer Retraite vom August 2007 bewegt und beschlossen haben, wollen wir mit unseren Freunden teilen:
In Vorträgen, Zeitschriften und Büchern wird von Christen oft ein ausschließlich negatives Bild von Schwulen vermittelt. In der Vergangenheit gab es eine Zeit, da auch wir uns daran beteiligt haben. Wir bekennen dies als Schuld und distanzieren uns heute davon. Schwule sind nicht schlechtere oder bessere Menschen.

Wir können nicht länger Homosexuelle und insbesondere Christen mit homosexuellen Empfindungen weiterhin als psychisch defizitäre, krankhafte und therapiebedürftige Menschen stigmatisieren. Homosexualität ist keine Krankheit, kann jedoch wie Heterosexualität krankhafte Züge aufweisen. Die erwähnten Defizite haben primär nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun, sondern eher mit der gesellschaftlichen Ausgrenzung. Der ständige Druck anders als „normal“ zu sein, belastet den Selbstwert der Betroffenen stark. Diese Perspektive gibt einen neuen Blickwinkel und ermöglicht neue Ansätze in der Beratung und Begleitung.

Generalisierende Schuldzuweisungen an die Eltern und Geschwister, die im Zusammenhang mit Homosexualität gebracht werden, können wir nicht unterstützen.

Hört, hört! Besser, die Einsicht kommt spät, als nie. Bei manchen dürfte jedoch jede Hoffnung auf Vernunft vergeblich sein: auf Kreuz.net, einer fundamentalistischen, deutschsprachigen Seite mit Sitz in den USA, die alles versammelt, was die religiösen Eiferer so verabscheuenswürdig macht, tobt ob der Abkehr ihrer ehemaligen Gesinnungsbrüder mitterweile der Mob!

1 Kommentar zu „“Psychisch defizitär, krankhaft und therapiebedürftig…”“

  • Hört, hört. Das klingt durchaus mal erfreulich.

    Zum letzten Absatz. Solche Seiten besser ignorieren. Es wird durch deren Erwähnung nix besser und man macht nur Werbung dafür. Je weniger Öffentlichkeit die kriegen, desto lauter und verzweifelter müssen sie im Ghetto ihrer kleinen Homepage brüllen um – ganz im Gegensatz zu ihren Hassobjekten – überhaupt irgendwo wahrgenommen zu werden. Ich finde den Gedanken recht befriedigend und dabei soll’s auch bleiben.

    Und wer sich das schon antun will, sei auch auf die “Gegen-Seite” kreuts.net verwiesen. Sehr schön und entlarvend zB dieser Artikel.

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