ÖVP + FPÖ + BZÖ + MARTIN = 65 Prozent?

Wenn die heute auf Waljournal.com veröffentlichten Umfragen zur EU-Wahl auch nur annähernd stimmen, dann ist Feuer am Dach! Demnach kämen die konservativen und rechten Parteien zusammen auf 65%, während SPÖ (-7%) und Grüne (-5%) mit schweren Einbussen zu rechnen hätten. Schade finde ich das inbesondere für die Grünen, unter der Listenführerschaft von Ulrike Lunacek, die ich persönlich noch von deren politischen Anfängen 1995 kenne, wo ich sie in meiner damaligen Tätigkeit als Grüner Jugendfunktionär unterstützt habe.

Andererseits ist die momentane Performance der Grünen wirklich nicht dazu geeignet Wählerstimmen zu gewinnen. Abgesehen von den wohl schlechtesten und inhaltslosesten Grünen Wahlplakaten aller Zeiten, liegt die Abmontage von Johannes Voggenhuber vielen potentiellen Wählern immer noch im Magen.

Dazu kommt die völlige politische Abgehobenheit der aktuell führenden Damenriege, die sich wohl schon lange nicht mehr unters Volk gemischt hat. So kommt im EU-Wahlprogramm kein einziges Mal das Wort “Österreich” vor, inhaltlich überlagert ein Mann aus einem anderen politischen Lager seit Wochen den Grünen Wahlkampf: Martin Graf! Auf der Grünen Website findet sich dessen Bild aktuell gleich 3 mal, Lunacek´s Foto hingegen nur  1 mal, ganz klein:

gruenehp_0509

Aber auch bei den Mitbewerbern von der SPÖ scheint der Siegeswille nicht besonders ausgeprägt zu sein. Anders sind die grafisch und inhaltlich miserablen Wahlplakate nicht zu erklären. “Das A-Team für Europa” hat das Rennen um Platz 1 wohl schon aufgegeben, bevor es richtig gestartet ist. Auch auf die Schützenhilfe von “Onkel Hans” kann sich die SPÖ diesmal nicht verlassen, der hat alle Hände voll damit zu tun, seinem Günstling HP-Martin wieder massenhaft Stimmen zuzuschaufeln.

Und so darf sich die ÖVP mit dem wohl schlechtesten Spitzenkandidaten aller Zeiten trotz leichter Verluste auf ein doch recht gutes Ergebnis freuen, wie auch die Demagogen von FPÖ (+10%) und BZÖ (+5%), deren Provokationen der letzten Zeit (samt kalkulierter Empörung) ihr Ziel erreicht haben dürften.

Schade, dass die Liberalen bei der kommenden Wahl nur mit einer Kasperltruppe antreten.

Aktualisierung: Soeben als Werbung im Standard entdeckt:

gruene_werbung_standard

So werben die Grünen für ihre Europa-Politik. Noch Fragen?

9 Kommentare zu „ÖVP + FPÖ + BZÖ + MARTIN = 65 Prozent?“

  • @zwischenrufer

    “ÖVP + FPÖ + BZÖ + MARTIN = 65 Prozent?”

    Wirfst du HPM in einem Topf mit den rechten Parteien?

    Populismus heißt nicht gleich rechts.

    • Zwischenrufer:

      Ach, wo verortest du denn HP-Martin politisch? In der Mitte? Oder sogar links davon? Für mich steht Martin weder für europäische, noch solidarische Politik, sondern ausschließlich für regionalistische.

  • dieter:

    HPM hat die Globalisierungsfalle geschrieben. Ich halte ihn für links-liberal. Die Grünen waren mal heftige EU-Kritiker. Und heute sollten sie eigentlich in der EU Oppositionspolitik betreiben, denn im Parlament, sowie in der Kommission haben EVP-ED, ALDE und SPE (in dieser Reihenfolge) das Sagen.
    In der Diskussionsrunde im ORF kam es eher so rüber, als wäre Lunacek die Sprecherin für die EU-Kommission und SPÖ+ÖVP Teil der Opposition. Der Grund dafür ist der von dir aufgezeigte, nämlich das Negieren der FPÖ um jeden Preis in jedem Punkt. Lunacek opponiert zwar formell gegen Barroso, aber der Eindruck, den sie beim Wähler hinterlässt, ist der einer Fahnentreuen Anhängerin der aktuellen Kommission.

  • aha regionalistisch is er also.

    vielleicht

    HPM is für mich linksliberal. Auf jeden Fall links von der SPÖ.

    Ich hab ein gutes gefühl ihn zu wählen.

    Er ist weder rassistisch noch homophob. Ist nicht neoliberal, nicht konservastiv. Hat den Abzocker im EU-Parlament richtig eingeheizt. Mir gefält das.
    Ok was hat er für Ö erreicht?
    Gegenfrage was haben die 16 anderen Austrian MEPs erreicht?
    16 mal soviel wie HPM?

    Was hat Schlafmittel Swoboda erreicht?

    Mr. Ederer “kämpft” für Arbeitsplätze.
    Und seine Lady Swoboda macht was bei Siemens?
    Profitmaximierung.

    und bist für mich

    nö jetzt kommt nix

    ich hab keine ahnung wo du stehst.

    PS: den screenshot mit deinen “86.519 Besucher und 243.698 Seitenansichten” kannst mir auf die obige adresse schicken.

  • HPM ist weitgehend unpolitisch mit dem, wie er Auftritt. Er hat als einziges Thema die Korruptionsbekämpfung, die man keinem Lager zuordnen kann. “Populist der Mitte” wurde er zB vorm letzten Wahlkampf immer wieder genannt.

    Ihn mit FPÖ und BZÖ auf einer Linie zu nennen ist Humbug, vor allem weil der Mann nie einen Zweifel daran gelassen hat, was er von diesen Parteien hält.

    Er kommt ja immerhin auch aus der SPÖ. Wenn man ihn unbedingt zuordnen will, dann würd ich das eher links tun.

  • Zwischenrufer:

    @ all:

    Also bei der Definition, was heute “rechts” ist, sind wir uns vermutlich eh weitgehend einig. “Links” wird schon schwieriger. Vielleicht, weil diese Begrifflichkeiten heute immer mehr verschwimmen und in Wirklichkeit nicht mehr zur politischen Standortbestimmung taugen?

    Wenn ich beispielsweise für mich “links” mit “solidarisch”, “emanzipatorisch” und “partizipativ” verknüpfe, dann assoziiere ich einen HP Martin nicht damit. Und woher ein Mensch politisch kommt sagt gar nichts über die aktuellen politischen Positionen dieser Person aus. Heide Schmidt war lange in der FPÖ, Madeleine Petrovic in der ÖVP, ich bei den Grünen. So what?

  • schon richtig, das war auch nicht als begründung gedacht, sondern als indiz. wie gesagt – ich halte unpolitischer mitte-populist für eine richtige bezeichnung.

    aber tendentiell wird sich ein martin eher einer rot-grünen sache anschließen, als einer schwwarzen – und schon gar keiner braunen. ihn der rechten zuzuordnen und damit das rechte spektrum aufzublasen halte ich nicht für zulässig

    • Zwischenrufer:

      Ok, wenn man Martins prognostizierte 14% aus der obigen Rechnung abzieht, bleiben immer noch 51% für die Rechte. Immer noch zu viel. ;-)

      • da stimme ich zu. aber zum einen gibts da noch eine schwankungsbreite in der prognose und zweitens sind diese knapp über 50% schon sehr lange eine österreichische realität, die man den grünen nur zu einem sehr kleinen teil ankreiden kann.

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