Politik statt Empörung!

empoerungDie Republik scheint im Ausnahmezustand, weil die FPÖ unter HC Strache wieder mal das macht, was sie am besten kann: mit Provokation Stimmen zu gewinnen. Nach den Zugewinnen bei der AK-Wahl ist auch bei der EU-Wahl mit einem kräftigen blauen Stimmenzuwachs zu rechnen. Und dann steht auch noch die gefürchtete Wiener Gemeinderatswahl vor der Tür…

Im laufenden Wahlkampf ist die FPÖ wenig zimperlich. Im EU-Wahlkampf bringt sie in Inseraten Israel ins Spiel, eine Bürgerinitiative gegen den Ausbau eines großen islamistischen Zentrums mitten im Wohngebiet vereinnahmt sie nahezu völlig. Ausserdem führt die FPÖ eine offensive Kampagne gegen den mächtigen Raiffeisenkonzern, was bisher kaum jemand gewagt hat. Die FPÖ beherrscht seit Wochen die Berichterstattung und bringt damit die anderen Parteien kräftig in die Bredouille. Diese reagieren genauso, wie sie immer reagiert haben: mit Empörung.

Bundespräsident Heinz Fischer hebt belehrend den Finger und rügt die Blauen in schulmeisterlicher Art. Bundeskanzler Faymann legt eine Kampflächelpause ein, schaut streng und nennt Strache eine “Schande“. Die “Plattform Christen und Muslime”, 2006 anlässlich des dänischen “Karikaturenstreits” gegründet, ereifert sich über die “volksverhetzende Weise gegen islamische Mitbürger”. Der schwarze EU-Listenzweite Othmar Karas nennt die FPÖ-Haltung “unmoralisch, verhetzend und dumm”. Das im Eigentum des Raiffeisen-Konzern stehende NEWS brüstet sich damit, “eine Allianz der Guten und Aufrechten” gegen die FPÖ geschmiedet zu haben und vergisst dabei zu erwähnen, dass die 10 bestverkauften NEWS-Ausgaben aller Zeiten immer Haider am Cover hatten. Jetzt wird eben mit Strache kräftig Kohle gemacht. Der KURIER, an dem die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien ebenfalls mehrheitlich beteiligt ist, feiert sich selbst, weil er das umstrittene Israel-Inserat abgelehnt hat. Nachdem das Wort “Israel” gestrichen wurde, hatte Chefredakteur Christoph Kotanko scheinbar keine Probleme mehr mit dem Inhalt, druckte das Inserat ab und kassierte. Ihnen allen ist gemein: sie schimpfen, sie sind öffentlich empört, aber es fehlt an konkreten Antworten.

Mich erinnert dieses ganze aktuelle Gedöns massiv an den Aufstieg Haiders in den 1990er Jahren. Die damalige Politik hatte ebenfalls keine Antworten auf die drängenden Fragen und Herausforderungen parat. Man versuchte es mit politischer Ausgrenzung, organisierte unzählige Demos, schrieb tausende Zeitungsartikel und produzierte so viele Bücher über und gegen Haider, dass man ganze Bibliotheken damit füllen konnte. Aufhalten liess sich der Aufstieg Haiders damit freilich nicht. Heute bin ich – als ehemaliger Donnerstagsdemonstrant! – der Überzeugung, dass es wirklich nur Schüssels taktischem Geschick (oder Machtversessenheit?) zu verdanken ist, dass Haider in Österreich nie Kanzler wurde. Die professionellen Empörer hätten das nie geschafft.

Kürzlich fiel mir wieder eine Begebenheit ein, die ich schon vergessen hatte. Nach einer Anti-Rechts-Demo Ende der 1990er Jahre kam ein Staatspolizist auf mich zu und sagte mit besorgter Miene:

Ich denke, mit dieser Demo habt ihr das Gegenteil von dem erreicht, was ihr wolltet. Ich habe mir die Reaktionen der Passanten angeschaut, da wählen einige jetzt erst recht den Haider…

Ich antwortete ihm damals ziemlich schroff und es dauerte lange, bis ich begriff, was er mir damit sagen wollte. Unser Auftreten war ganz einfach nicht dazu geeignet, den Menschen, die – aus welchen Gründen auch immer – Hoffnungen in Haider setzten, eine bessere Alternative anzubieten. Im Gegenteil, wir boten ein abschreckendes Bild, der durchschnittliche Wiener war eben kein jugendlicher Antifa-Punk.

Wenn Haider die absurden Blüten des österreichischen Proporz-Systems geisselte, dann hatte er Recht. Wenn Haider auf seinen berühmten Taferln die horrenden Bezüge von Arbeiter-Funktionären anprangerte, dann ballte sich bei den kleinen Hacklern zurecht die Faust in der Tasche. Wenn Haider gegen “die Ausländer” polemisierte, dann sprach er – berechtigte und unberechtigte – Ängste vieler Menschen in diesem Land an, was andere Parteien immer ignorierten. Haiders Stärke war die Schwäche und Ideenlosigkeit seiner politischen Mitbewerber. Dass er dabei keine moralische Skrupel kannte, war für ihn kein Nachteil.

Die aktuelle Diskussion in Österreich ist meiner Meinung nach eine fast idente Wiederholung der Ereignisse der 1990er Jahre. Einige Beispiele gefällig?

1) Die Bürgerinitiative Dammstrasse hatte sich ursprünglich mit ihren Anliegen an alle Parteien um Hilfe gewandt. Gehör fand sie ausschliesslich bei ÖVP und FPÖ. Letztere erkannte das mögliche Wählerpotential und stülpte der BI ihren Mantel drüber. Flugs wurde die Bürgerinitiative zu einem Haufen Rechtsextremisten erklärt, was nicht nur wirkliche Rechtsextreme anzog, sondern auch allerlei Gesocks von der Gegenseite. Dass hier Menschen reale Ängste und Befürchtungen haben, wird von allen Seiten verdrängt, stattdessen wähnt sich jede Seite moralisch überlegen und ergötzt sich am jeweiligen Propagandafeuerwerk.

2) Im Zuge der Krise hat fast jeder zweite Betrieb in Österreich Mitarbeiter gekündigt oder in Kurzarbeit geschickt. Wenn diese Menschen dann frustriert daheim sitzen und in der Zeitung lesen, dass SPÖ und Grüne im EU-Parlament dafür stimmen, dass Asylwerber nach 6 Monaten automatischen Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten, wundert sich dann wirklich noch irgendwer, dass die SPÖ gerade bei Arbeitern so massiv verliert? Das Gefühl “Die sind nicht mehr für uns da” zieht sich mittlerweile quer durch alle roten Kernschichten. Aber anstatt diesen Menschen wieder Hoffnung zu geben, Arbeit angesichts der Veränderungen in Gesellschaft und Produktionsweisen neu zu bewerten und an brauchbaren Alternativen zu arbeiten, spielt SPÖ-Chef Faymann den Maulhelden gegen Strache. Sein Pech ist, dass Strache der viel bessere Maulheld ist und es versteht, den Ärger und den Frust der Menschen für sich zu nutzen.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die österreichischen Politiker und Medien heute auf die selben falschen Lösungen setzen, wie in den 1990er Jahren. Wenn es nicht endlich gelingt, die allgemeine Empörung durch konkrete politische Lösungen zu ersetzen, dann wird Straches Aufstieg nicht zu stoppen sein. Der kann dabei getrost auf Zeit spielen, ein paar Provokationen setzen und zufrieden zuschauen, wie seine politischen Gegner ihm Wähler um Wähler zutreiben.

15 Kommentare zu „Politik statt Empörung!“

  • lieber zwischenrufer, ich bin ja oft nicht einer meinung mit dir (gott sei dank, hätt ich fast geschrieben ; ) – heute darf ich hier kurz anmerken, dass diese deine zeilen auf meine beinah ungeteilte zustimmung treffen. so oder so ähnlich habe ich auch schon einige male versucht, mein »unbehagen« auszudrücken. (dir ist es mMn. da heute sehr gut gelungen.)

    schreiben tu ich das jetzt aber nicht zwecks der zustimmung (das wäre ja pipifax) sondern: WO? bzw. WIE? ansetzen? (nicht, dass ich jetzt von dir verlange, hier eine antwort zu formulieren. es geht mir nur drum von “uns” zu verlangen »weiterzudenken« …

    ein lieber gruss aus graz, christian

  • Da steckt ja eine wichtige Aussage drin, mit der Du mir aus der Seele sprechen würdest. Damit meine ich die “Empörung ist kontraproduktiv”, erst recht, wenn sie medial mit erhobenen Zeigefinger sich auf sich selbst und die Geste beschränkt, statt dessen ist/wäre praktische politische Aktion und Handeln gefragt. Ersteres kann zweiteres nicht ersetzen aber schwieriger machen.

    Ich könnte das alles voll und ganz unterschreiben, wenn Deine Empörung nicht ein Zerrspiegelbild dessen wäre, was Du anprangerst. Seit geraumer Zeit versuche ich Dich bzw. Deine Aussagen in Inhalt und Form nachzuvollziehen.

    Vl. verstehe ich noch den Weg, den Du genommen hast und auch beschreibst, aber nachvollziehen kann ich ihn nicht. Bei mir kommt auch auf den dritten Blick noch hauptsächlich Wut, Hass, pauschale Verurteilung und Stereotype an, wodurch Dein Kampf gegen Stereotype nicht mein Kampf gegen Stereotype sein kann. Du scheinst einfach nur die Seiten gewechselt zu haben und kritisierst – in meinen Augen – nicht, dass was Du mal verteidigt hast, kritisiest eben nicht Naivität und Dummheit hier wie da, sondern führst einen wütend beleidigenden Rachefeldzug gegen einen weitgehend imaginären Gegner. Nebenbei verfehlst Du – wiederum: für mich – die berechtigten Ziele Deiner im Kern von mir geteilten Kritik.

    sry

  • dieter:

    Der grundsätzliche Fehler in der Analyse der anderen Parteien und der Medien ist immer noch der Glaube daran, dass ein einzelner Rattenfänger die Massen einfach entgegen ihrer Klasseninteressen manipulieren und steuern könne und das man daher bei dieser Person (früher Haider, heute Strache) ansetzen müsse.

    In den 90ern wurde das mit Abgrenzung, Verurteilung und erfolglosen Demaskierungsversuchen gemacht. Das hast du ja treffend beschrieben.
    Dann kam die Schüssel-Doktrin (machen lassen und so entzaubern) und die Anneliese Rohrer-Doktrin (ignorieren und somit Sendezeit entziehen).
    Beides klappt aber nicht, denn das Wählerpotential und gewisse Grundstimmungen im Volk sind nunmal da. Und daran ändert sich nichts, wenn sich das rechte Lager wegen innerer Zwistigkeiten kurzfristig selbst ausser Gefecht setzt.

    Große Teile der Bevölkerung können den Islam und/oder Ausländer, sowie EU nicht leiden. Die FPÖ nutzt lediglich die Stimmung. Besonders blind ist man, wenn man gleichzeitig ein Bauvorhaben unterstützt, mit dem sich gewisse Türken ganz offensichtlich von Einheimischen abgrenzen wollen. Das ist auch fremdenfeindlich und die Leute in der Dammstraße merken das auch und halten dagegen.

    Nun probiert man es wieder mit der Strategie der 90er.
    Dieses Verhalten entspricht nun somit Einsteins Definition von insanity: “doing the same thing over and over again and expecting different results.”

    Dass es diesmal klappt, die Rechten durch Empörung und Verurteilen vernichtend zu schlagen, dagegen spricht, dass Rot-Schwarz nicht mehr auf das dominante Proporz-System zurückgreifen kann. Auf der anderen Seite steht man nicht mehr einem Haider gegenüber, der die Empörung jedesmal argumentativ geschickt entgegnen konnte und sich so das Image eines Robin Hood oder eines Rebellen geben konnte.
    Die Argumentation muss Strache an Kickl auslagern. Das sieht man daran, dass der Gegenangriff im Gegensatz zu Haider länger braucht.

    Zuerst dachte ich, man wolle hier enttäuschte Grün-Wähler abholen. Denn die kann man ja wirklich mit Konfrontation gegen die FPÖ mobilisieren. Und zuerst wollte man ja wohl einen Wohlfühl-Konsens-Wahlkampf über die EU als Retter in der Krise machen. Die aktuelle Empörungswelle war zuerst nicht abzusehen, obwohl die Plakate der FPÖ schon länger bekannt sind.
    Mittlerweile glaube ich, dass man es ernst meint. Möglicherweise treibt Raiffaisen im Hintergrund an.

    Hier wird jedenfalls sehr hoch gepokert. Falls die FPÖ bei der EU-Wahl gewinnt, was wohl davon abhängt, ob die FPÖ zur Teilnahme an der unbeliebten EU-Wahl motivieren kann, dann werden sich die Parteien von Grün bis ÖVP die Finger verbrennen.

    Das ist Schade und unnötig, da es die anderen Parteien und somit den Meinungspluralismus schwächt, den wir brauchen, zumal es ja auch andere Themen gibt als die Lieblingsthemen der FPÖ. Ich will vielfältige, konstruktive Sachpolitik und Diskussion. Auf eine Neuauflage der 90er, in der es immer nur um Haider und die FPÖ ging, kann ich verzichten.

  • das Gesocks:

    Wenn AsylwerberInnen, nach 6 Monaten, hier arbeiten dürfen um von eigener Arbeit menschenwürdig leben zu können nehmen sie dir den Arbeitsplatz weg.

    Wenn sie nicht arbeiten dürfen leben sie von deinen Steuergeldern.

    Was tun oh Großmeister des logischen Denkens?

    Vielleicht das Asylrecht europaweit abschaffen und das ganze “Gesocks” abschieben?

    Rechts wählen damit die Chance größer wird, dass das auch tatsächlich passiert?

    Mit anderen Fans der BI Dammstrasse eine Bürgerwehr gründen die das selbst in die Hand nimmt?

    Oder einfach den netten Staatspolizisten fragen was zu tun wäre?

    Herzlichst!
    das Gesocks

    • Zwischenrufer:

      Zwischen “Asylwerbern nicht nach 6 Monaten automatische Arbeitserlaubnis zu erteilen” und “Asylrecht europaweit abschaffen” ist aber schon ein klitzekleiner Unterschied, gell, der Herr?
      Auch weiterhin viel Spaß beim Steine werfen!

  • ich verstehe was du meinst,
    um Strache das Wasser abzugraben, ist für die anderen zu beweisen, auf die Ängste der Menschen zu hören und diese durch Taten zu entkräften bzw. falls sie vorhanden sind zu lösen.
    deine Schilderung finde ich besonders interessant, da ich ja am Land aufgewachsen bin und als Bauerntochter etwas anders sozialisiert bin.
    zu Schüssel sag ich nur eines. 1999 war die FPÖ-Koalition richtig, aber 2002 unnötig. da schon diese kurze Zeit ausgereicht hat, dass die FPÖ auch nur mit Wasser kocht.
    durch ordentliche Arbeit einer anderen Konstelation wäre sicher Strache jetzt kein Thema.

  • [...] dann aber Menschen die Strache wählen oder problemlos mit ihm koalieren wollen/würden hergehen und den “richtigen [...]

  • Es ist nicht zu bestreiten, dass du mit deiner Massenvernichtungsanklage auch einen gewissen Kern triffst. Aber recht hast du trotzdem nicht.

    Denn du suggerierst immer wieder, dass Strache irgendwas von dem was du anderen ankreidest erfüllen würde. Strache ist der letzte der eine Sorge ernst nimmt. Strache ist nur derjenige der gut erkennt, wann er eine Sache zu seinen Gunsten nutzen kann. Eine machbare Lösung hat der Mann noch nie angeboten. Noch viel weniger, als alle anderen Parteien – so ratlos die oft auch wirken.

    Und du implizierst, dass gewisse Haltungen falsch sind, weil sie im Dunstkreis rechter Eierköpfe nicht besonders gut ankommen. Weil sie vielleicht schwieriger erklärbar sind, als das Spielen auf der Klaviatur der Angst, soll man sie also nicht vertreten?

    Dass die Asylrichtlinie der EU eigentlich gut ist, weil sie eine uralte Ungerechtigkeit verhindert und einen signifikanten Teil der Hass-Quellen der rechten Arschgeigen austrocknet (denn erst wenn ein Asylwerber arbeiten kann, machts überhaupt Sinn ihn dafür zu schimpfen, dass ers nicht tut). und die Kritik daran einfach nur unlogischer polemischer Gacks ist der sich daraus speißt, dass die meisten Menschen vom Asylwesen einfach keine Ahnung haben, das scheinst du völlig vergessen zu haben.

    Hast du jemals daran gedacht, dass es einfach nur leichter ist, ein widerlicher rechtsextremer Populist zu sein, als sich einem solchen entgegen zu stellen? Und wieso denkst du, dass man nicht eher die Massen an Genies mal zusammenscheissen sollte, die solche Leute lieber wählen, weil sie entweder keine Ahnung haben, nicht selbst denken, oder den widerlichen Müll einfach gut finden?

    Lange Rede kurze Frage: Warum attackierst du so hartnäckig lieber die tollpatschigen Guten, statt die gefinkelten Dreckskerle? Du erledigst damit ihr Tagwerk.

    Im Übrigen finde ich es bedauerlich, was für ein Abgleiten n hässliche Ecken und welche Radikalisierung bei dir über die letzten Jahre hinweg feststellbar ist.

    • Zwischenrufer:

      Tom, ich würd mir von dir wirklich endlich mal wünschen, dass du mal vom hohen Ross heruntersteigst und argumentierst und nicht immer nur in pawlowscher Wadelbeisserei endest. “Rechte Eierköpfe”, “rechte Arschgeigen”, das ist ein Niveau, das selbst dir Grünem Kampfposter zu tief sein sollte.

      Dein attestiertes “Abgleiten in hässliche Ecken” bzw. meine angebliche “Radikalisierung” sind hingerotzte Behauptungen, die du mit keinem Wort belegst. Was bleibt, sind dutzende Beiträge meinerseits, in denen ich meine Meinung öffentlich kundtue und versuche zu argumentieren, während von dir empörte Allgemeinplätze kommen. Gut, wenns dir damit besser geht, ok, aber hör auf, auf mich arrogant herunterzuschauen, das steht dir einfach nicht zu.

      Zum Inhatlichen: Ich habe nie geschrieben, dass Strache die “Sorgen ernst nimmt” oder “machbare Lösungen” anbietet, im Gegenteil. Ich habe hier immer und immer wieder argumentiert, dass die FPÖ die Sorgen der Menschen erkennt und benutzt, und das ist etwas grundsätzlich anderes.

      Die EU-Asyl-Richtlinie ist ein politischer Wahnsinn, sonst nichts. Wer so etwas in Zeiten, in denen die Menschen von Massenarbeitslosigkeit bedroht sind, propagiert und befürwortet, der bettelt geradezu darum, dass die Rechtsextremen Zulauf erhalten. Nicht immer ist das, was die Mehrheit möchte, falsch, lieber Tom. Das Konzept der Grünen, “wenn alle A sagen, sagen wir B” ist keine Politik, sondern dummer, trotziger Kinderkram.

      Mein Ansatz ist folgender: kein automatischer Zugang zum Arbeitsmarkt weil:

      a) es die Arbeit, so wie wir sie kennen, ganz einfach nicht mehr gibt. Unser System ist immer noch so ausgerichtet, als würden wir vor 50 Jahren leben. Die Arbeitswelt hat sich verändert, Vollbeschäftigung wird es nie wieder geben. Es ist an der Zeit, Arbeit als Gesamtes neu zu bewerten und anzuerkennen, dass es heute eine Vielzahl von Tätigkeiten gibt, die sehr wohl als Arbeit verstanden werden müssen, aber eben nicht entlohnt werden. Dazu zählt meiner Meinung nach Hausarbeit ebenso wie ehrenamtliche, soziale Tätigkeit. Diese Diskussion muss endlich geführt werden. Die wenige Lohnarbeit, die es heute noch gibt, den Leuten vor die Füsse zu werfen, wie ausgehungerten Hunden ein Stück Fleisch, das kann nicht gut gehen.

      b) Das führt mich zum nächsten Punkt: wenn es Vollbeschäftigung für alle und damit ein Auskommen für alle nicht mehr geben wird, dann müssen wir verstärkt dafür kämpfen, dass Menschen trotzdem ein Leben in Würde führen können. Ich bin deshalb ein Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens. Wer dann zusätzlich (lohn)abeitet, der hat einfach mehr, wer keine Lohnarbeit hat, muss trotzdem nicht verhungern.

      So, jetzt wieder etwas Polemik:

      Im Grunde finde ich es ja zum Schreien komisch, dass sowohl du als als HC Voigt schreiben, dass ich “einen gewissen Kern treffe” bzw. “da steckt ja eine wichtige Aussage drin, mit der Du mir aus der Seele sprechen würdest”, aber euch dann euer ideologisches Brett vor dem Kopf dazu nötigt, euch im gleichen Atemzug mit moralinsaurem Getöse empört zu distanzieren. Nun, das ist euer Problem, nicht meines!

      Dein Satz “Hast du jemals daran gedacht, dass es einfach nur leichter ist, ein widerlicher rechtsextremer Populist zu sein, als sich einem solchen entgegen zu stellen?” ist an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten, lieber Tom. Ich habe gegen die Rechten organisiert und mobilisiert, als dich deine Mami noch aufs Topferl gesetzt hat. Ich habe am Viktor Adler Markt gegen die FPÖ wahlgekämpft, da hast du gerade die ersten Buchstaben des ABC´s gelernt. Ich wurde auf antifaschistischen Aktionen verprügelt und verhaftet, als du noch nicht einmal wusstest, dass es sowas wie Politik überhaupt gibt. Der Punkt ist: da, wo du heute gern stehen würdest, bin ich schon vor 15, 20 Jahren gestanden!

      Und ja: ich hab mich verändert! Zum Glück! Denn es wäre unerträglich, wenn ich heute, mit fast 40, immer noch die selben Phrasen dreschen würde wie damals, als 20jähriger.

    • Österreicher zuerst:

      @TOM

      Ein Asylant egal aus welchen Gründen er Asyl bezieht ist kein Inländer und hat somit auch kein Recht auf den Arbeitsmarkt zu gehen, wenn im Land auch ohne diesen die Arbeitslosigkeit steigt…
      Asyl bedeutet nicht, dass er in dem Land bleibt bzw. bleiben soll!
      Außerdem stören mich nicht die Asylanten die zurecht um Asyl bitten, sondern die die unter falschen Angaben nach Österreich reisen und sich ein besseres Leben erhoffen und dann von der Familienzusammenführung gebrauch machen.
      Außerdem muss man darauf achten WEM man Asyl gewehrt, denn nicht jeder ist ein ach so “armer Flüchtling” sowie es uns von den Grünen ständig suggeriert wird, sondern auch zum Großteil Verbrecher die in Ihrem Land etwas verbrochen haben und aus diesem Grunde flüchten.

      Über Anpassung brauchen wir garnicht erst zu diskutieren denn die findet sowieso nur in den wenigsten fällen statt.

      • Zwischenrufer:

        Asyl ist ein unabdingbares Menschenrecht, das für mich unantastbar ist. Wer flüchten muss und Schutz braucht, der soll es auch bekommen. Deine Vermutung, dass der “Großteil Verbrecher sind die in Ihrem Land etwas verbrochen haben”, entbehrt jeder Realität. Wer hierzulande jedoch Asylstatus zuerkannt bekommt, und dafür nutzt, um Verbrechen zu begehen, dem soll man den Status wieder aberkennen, mit allen Konsequenzen.

  • Ist ja alles richtig, was du da schreibst, allerdings frag ich mich schon seit langem (denn diese Forderung erhebst ja nicht nur du), was “auf die Ängste und Wünsche der Bürger eingehen” denn nun konkret bedeuten soll. Strache macht dies, indem er Vorurteile und Klischee schürt, die sich so zwar nicht bewahrheiten, in den Köpfen der Wähler aber umso präsent sind. Will man diese widerlegen, wird das aber nur als “Beschwichtigungspolitik” im Gegensatz zur “Tatenpolitik” der Rechten verschrien, weil der Kanzler ja “was machen” soll. Bei einer EU-Richtlinie, die umzusetzen er verpflichtet ist, wird das aber nicht klappen – und schon ist die “böse EU” Schuld, die “uns Österreicher” hintergeht, weil der Strache ja ein weitaus besseres Konzept in petto hätte (nur leider, leider nie dazu kommt, diese Genialität in die Tat umzusetzen).

    (Das war jetzt ein wenig wirr, aber meine Kernfrage lautet ohnedies nur: Wie sähen die Taten aus, die der Kanzler konkret bewerkstelligen sollte?)

  • wunderbare Analyse – das Problem in Österreich ist halt, daß sie dafür nicht gelobt oder kritisiert werden, sondern sofort als Nazi hingestellt.

  • Mia:

    Ich schäme mich dafür, dass es keine Partei geschafft hat diesem Treiben etwas tatkräftiges zu entgegen. Lunacek mit grüner Fahne? Swoboda als A-Team Leiter? Hilfe!!

  • Zwischenrufer:

    Michael Fleischhacker argumentiert übrigens in der PRESSE sehr ähnlich wie ich. Werd ich langsam wirklich alt? :-)

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