“Ich beschäftige mich mit Dawkins Thesen…”

Den folgenden Beitrag hat “Mrs. Grant” hier als Kommentar veröffentlicht. Wir finden ihn so lesenswert, dass wir ihn keinesfalls in der übrigen Kommentarflut untergehen lassen wollen und geben ihm hiermit jenen Platz, der ihm unserer Meinung nach gebührt.

Ich beschäftige mich mit Dawkins Thesen seit geraumer Zeit und ich stimme ihm vollkommen zu, in eigentlich allen Punkten. Ich wurde christlich erzogen und fühle mich im nachhinein geistig vergewaltigt. Kindern wird über die Lehre der Bibel suggeriert, dass Menschen im Grunde schlecht seien und nur dank Jesus die Möglichkeit bekommen ihre “Sünden” über den einzig wahren Glauben zu bereinigen… ich habe Gott als Kind gefüchtet; ich habe geglaubt, dass meine Gedanken und mein Handeln in jedem Punkt von einer übergeordneten Instant bewertet und ggf. bestraft werden – ich möchte betonen, dass mein Elternhaus nicht streng gläubig geprägt war, sondern das diese Vorstellung ihren Nährboden in der gängigen Lehre der Evangelischen Kirche, wie sie Kindern bsp. im Kindergottesdienst begegnet, hatte.

Ich danke Dawkins für sein Engagement und die provokanten Thesen, die er aufstellt – diese Thesen und die Debatte über den Atheismus verdeutlichen, welche Macht Kirche und Religionen in den heutigen Gesellschaften haben. Kirchen stellen sich dar als moralisch und gütig, obwohl sie in der Geschichte keine wirklich guten Vertreter dieser beiden Attribute waren. Ich fühle mich als Atheistin hierdurch angegriffen und beleidigt. Ich möchte ebenso wie Dawkins keinen Menschen von seinem Glauben abbringen sondern lediglich eine berechtigte Gegenöffentlichkeit zu Glaube und Religion unterstützen und gesellschaftlich kommunizieren, dass es Alternativen zu diesem seltsamen religiösen Mainstream gibt.

Zum Abschluss möchte ich als Frau noch anmerken, dass ich es bizarr finde, wie sich die beiden großen Kirchen in Deutschland als nicht-patriarchisch präsentieren, obwohl sowohl in der Evangelischen, als auch in der Katholischen Kirche ausschließlich Männer an der Spitze dieser Institutionen stehen – warum hat eine Frau nicht das Recht Päpstin zu werden und sollte sie das Recht hierzu haben, warum wird es dann keine Frau. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir ohne Religionen heute eine frauenfreundlichere und alles in allem fortschrittlichere Welt hätten – Religionen haben dem menschlichen Verstand immer wieder Steine in den Weg gelegt und es bedurfte stets humanistischer Anstrengungen diese Steine aus dem Weg zu räumen.

1 Kommentar zu „“Ich beschäftige mich mit Dawkins Thesen…”“

  • Klaus Brückner:

    Bravo Mrs.Grant ! Ihrem Beitrag kann ich nur zustimmen.Es gehört zu den großen Rätseln unserer Zeit, daß noch immer Milliarden Menschen an einen Gott glauben. Unter ihnen hochintelligente Wissenschaftler, die einfach nicht akzeptieren können oder wollen,daß der Sinn unseres Dasein ausschließlich im Diesseits und nicht im Jenseits liegt. Ich gebe zu, daß dies für uns Menschen mit Problemen verbunden ist. Sehr gerne würden wir alle an ein Leben nach dem Tode glauben. Wer an Gott glaubt, muß mir aber eine sinnvolle Erklärung liefern, wie er entstanden ist oder wer ihn, Gott, geschaffen hat. Wenn alles einen Anfang haben muß, dann auch die Fiktion Gott. Für mich ist Gott eine Illusion, die wir Menschen uns selbst geschaffen haben, um unsere spirituellen Bedürfnisse zu befriedigen und unserer Existenz einen höheren Sinn zu geben. Auf Dauer muß und wird sich die Menschheit aber von dieser Illusion lösen müssen und die Wahrheit, auch wenn sie unbequem ist, akzeptieren.

    Klaus Brückner

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