Mit Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit gegen Straches Wähler?

aergerAuch wenn es alle Parteien offiziell verneinen, so ist in Wien der Wahlkampf doch schon voll im Gang. Gestern brachte der Standard dazu ein Interview mit HC Strache, in dem er seine Vorstellungen von Sicherheit erläutert. Heute findet sich dort um 10:00 Uhr folgendes Posting von User “1116er” darunter:

die eltern eines freundes bekennen sich auch zu strache….
mein freund und ich lachen über sie und schütteln gelegentlich den kopf über soviel dämlichkeit.
ich denke, ich sollte meine strategie ändern: in zukunft werde ich ihnen ins gesicht sagen, dass sie ein intelligenz-defizit haben (bin ja ein höflicher mensch).
generell:
wir gehen viel zu anständig mit den fans dieser krawallo-partie um. wir belächeln sie, wir wundern uns über sie, aber niemand klärt sie face-to-face darüber auf, dass sie mit ihrem verhalten KEIKNEN positiven beitrag zur entwicklung dieses landes leisten und nur einem rattenfänger auf den leim gehen.
also auf zur persönlichen aufklärung der doofen braun-wähler! nahezu jeder kennt so einen….

Na, das nenne ich einen kreativen Zugang: Menschen auslachen und beschimpfen, ohne auch nur eine Sekunde einen Gedanken daran zu verschwenden, welche Ängste und – möglicherweise realen? – Probleme hinter diesem Wahlverhalten stecken.

Klar, Strache wirklich etwas entgegenzusetzen ist im Vergleich dazu mühsam, es würde bedeuten, sich für Menschen zu interessieren, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, sich vielleicht sogar in ihre Situation hineinversetzen zu können. Es würde weiters bedeuten, eigene Konzepte und Antworten zu haben, die sich nicht darin erschöpfen, auf Wolke 7 zu schweben, Probleme schönzureden und falsche Toleranz zu predigen.

Angesichts dieser – zugegeben! – Plackerei ist es doch viel einfacher, sich selbst moralisch überlegen zu fühlen, Wahrheit und Weisheit gepachtet zu haben und immer genau zu wissen, was das Richtige ist. Wie beneidenswert einfach doch die Welt für manche Zeitgenossen ist!

Meinetwegen kann sich “1116er” und sein pubertärer Anhang gerne weiter in Selbstgefälligkeit suhlen, er sollte sich allerdings nicht wundern, wenn die ausgelachten und beschimpften Eltern seines Freundes am Wahltag lächeln werden, während er vor dem Fernseher den Frust im Bier ertränken muss…

8 Kommentare zu „Mit Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit gegen Straches Wähler?“

  • ich versteh Dich nicht ganz.

    Bin voll bei Dir, wenn Du sagst, dass es billig und dumm ist, andere einfach als billig und dumm abzutun. Dazu aber ein Posting rauszusuchen …?
    Ich meine, das hinkt insoferne als es zehntausende solcher gibt und – ich vermute mal – recht gleich verteilt, egal um wen bzw. gegen wen es geht.

    Ja, das “auslachen und beschimpfen” gibt’s allerorten und bringt nur noch mehr allgemeinen frust und sozialen stress. Ich erlaube mir gleichzeitig meine Sichtweise einzuwerfen, dass das “auslachen und beschimpfen” als zentrale! politische Strategie! hauptsächlich bei einer Gruppe zu hause ist; und das sind wohl die FP’ler.

    Es gibt nicht einen, sondern viele Gründe, FPÖ zu wählen und viele Gründe Strache gut zu finden. Es ist absolut kontraproduktiv, davor die Augen zu verschließen und Strache-AnhängerInnen alle in den gleichen dummen Topf zu werfen. Vollkommen Deiner Meinung.

    Strache selbst freilich bedient eine Gruppe und ein Klischee ganz vorrangig und laufend:
    das Sentiment “die halten uns/euch alle für dumm, aber wir werden es ihnen zeigen, den Großkopferten, den Gscheitn, den Arschlöchern, die sich für was besseres halten. Die erwischen mich nicht und wenn Ihr mich umjubelt, könnt Ihr euch an deren blöden Gesichtern und deren Ratlosigkeit ergötzen.”
    … schön, das hat es immer schon gegeben, das kann immer bedient werden. Das hat aber wohl nichts mit “Probleme ernst” nehmen zu tun.

    ich habe von Strache noch nie etwas gehört, was auch nur im entferntesten mit “Probleme ernstnehmen” zu tun hatte. Was er aber laufend aussendet, dass seine GegnerInnen “sich moralisch überlegen fühlen” würden und glaubten, “die Wahrheit und Weisheit gepachtet” zu haben.
    Auf diese ebenso pauschale Unterstellung folgt dann die unverhohlene Drohung, “Aber die werden schon noch sehen. Denen werden wir zeigen.”

    Es ist auch n bißchen leicht, in die andere Richtung zu kippen und allen gleich mal Arroganz zu unterstellen und vorzuwerfen, dass sich die als was besseres fühlen würden.

    Und leider ist die gewalttätige, verunglimpfende Sprache immer noch Vorbedingung für weitere und auch physische Gewalt gewesen.

    Wer glaubt nicht, dass sich Strache nicht gerne als Vater eines Mobs sähe, und wer versteht vor dem Hintergrund nicht die Ängste aller, die das spüren.
    (Schreibe bewusst spüren & nicht wissen.)

    • Zwischenrufer:

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Den zitierten Standard-Kommentar hab ich ausgewählt, weil er meiner Meinung nach exemplarisch für die Art und Weise steht, wie mit dem “Phänomen FPÖ” umgegangen wird.

      Deiner Meinung, dass “auslachen und beschimpfen” als “zentrale! politische Strategie!” hauptsächlich bei der FPÖ beheimatet ist, kann ich so nicht zustimmen. Spontan fallen mir da etwa diverse E-Cards aus ÖVP-Wahlkämpfen ein, oder manche T-Shirts der Grünen. Von seltsamen “Flaggerl-Gaggerl”-Plakaten will ich gar nicht reden.

      Ich habe hier bereits öfters geschrieben, dass ich den Erfolg der FPÖ hauptsächlich der Methode zuschreibe, den Menschen Antworten auf Fragen, die unter den Nägen brennen, zu geben. Hierbei ist die Qualität der Antworten, deren Wahrheitsgehalt, oder deren Klarheit nicht so sehr von Interesse, als vielmehr, dass überhaupt Antworten kommen, wo andere schweigen oder bestenfalls an den Bedürfnissen der Menschen vorbei argumentieren.

      Wer etwa im ehemals roten Gemeindebau miterlebt, wie die alten, österreichischen Nachbarn wegsterben und ringsherum eine konservative Kopftuchfamile nach der anderen einzieht, dem werden die Ängste und Vorurteile nicht genommen, wenn ihm erklärt wird, das ist alles eine Bereicherung und Probleme gibts nicht. Ich kenne das aus eigener Erfahrung.

      Wer sein Leben lang tiefrot war, hier aufgewachsen ist und sich nun in seinem Bezirk, in seinem Grätzel selbst nicht mehr daheim fühlt, dem nützt es nichts, wenn aus dem Rathaus oder der Lindengasse diese Gefühle und Sorgen als “dumpf” und rechtsextrem” diffamiert werden.

      Ich selbst bin als Kind in einer erzroten Arbeiterfamilie aufgewachsen, sogar von unserer Kühlschranktür haben mich Pickerl mit Kreisky-Motiven angelacht. Als Jugendlcher habe ich mich in Antifa-Gruppen engagiert und antirassistische Demos organisiert, später war ich bei den Grünen und diversen kleinen, linken Szenegrüppchen aktiv. Aber heute fühle ich mich selbst einfach nicht mehr wohl in dieser Stadt, wenn beispielsweise das einzige deutsche Wort, dass ich in der Strassenbahn höre, die Stationsansage ist. Ich sehe hier kein multikulturelles, befruchtendes Miteinander, für das ich mein Leben lang gekämpft habe, sondern immer mehr die Verdrängung des Vertrauten. Ich fühle mich, als hätte ich beim Einschlafen vom Paradies geträumt und wäre dann in der Hölle wieder aufgewacht.

      Ich lebe in einer glücklichen, offen schwulen Beziehung und ich könnte kotzen, wenn ich von türkischen Jungmachos angepöbelt werde, wenn ich mit meinem Mann Hand in Hand gehe. Da nützt es mir nichts, wenn mir Soziologen versichern, dass die alle so arm und benachteiligt sind und ich mehr Verständnis aufbringen müsste. Das letzte Mal wurde ich wegen meinem Schwulsein in den 90er Jahren von rechten Skinheads angegriffen! Damals war die Haltung dazu klar, und niemand wäre auf die Idee gekommen, von mir Verständnis für dieses Pack einzufordern!

      Verstehst du, worauf ich hinaus will? Auf der einen Seite gibt es konkrete Erlebnisse, Ängste, Befürchtungen, die nach Antworten und Lösungen verlangen, auf der anderen Seite kommt von der SPÖ aber der “Olles net woar, mir san supa”-Hammer und von den Grünen die Nazikeule für jene, die auf einfache Antworten hereinfallen.

      Ich hab mir im letzten Wahlkampf die Schlussveranstalung der FPÖ am Viktor Adler Markt angesehen, und zwar nicht von den Reihen der Gegendemonstranten aus, sondern direkt aus der Menge. Diese Vielfalt an Menschen habe ich sonst bei keiner anderen Partei gesehen, und ich hab mir fast alle angeschaut. Geschäftsleute, Arbeitslose, Junge, Alte, Sandler, Alkoholiker, Skinheads, Hiphopper, Krocha, Hausfrauen, Pensionisten, usw.

      Ich hab mir damals die Frage gestellt: Was eint all diese Leute, die doch eigentlich nichts miteinander verbindet? Was fasziniert sie so sehr an diesem Mann, der von der Bühne seine Parolen schreit? Meine Antwort darauf war: er sagt zumindest was. Scheissegal was, aber er vermittelt offensichtlich das Gefühl, die Sorgen der Menschen zu kennen und ernstzunehmen. Und dabei ist es wurscht, ob du oder ich oder sonst irgendwer das auch so sehen, bei den Menschen, die vor der Bühne stehen, kommt das so an.

      Und damit schliesse ich für mich den Kreis: Es bringt uns keinen Zentimeter weiter, wenn wir uns über diese Menschen lustig machen, oder sie zu Bürgern zweiter Klasse erklären. Ich will endlich Antworten von den Politikern und Politikwissenschaftlern und Soziologen hören! Antworten, die mit meiner Lebensrealität übereinstimmen und nicht ideologisch gefärbt sind! Wer Menschen auslacht und beschimpft erzeugt lediglich Trotz, Verbitterung und Hass.

  • Dein Beitrag ist nicht anders zu verstehen, als dass du allen Gegnern von Strache unterstellst die Sorgen der Menschen nicht ernst zu nehmen, keine Antworten zu haben, sich nicht für die Menschen zu interessieren, falsche Toleranz zu predigen, auf Wolke 7 zu schweben und überheblich zu sein. (Denn wäre nur der Poster gemeint, auf den du dich beziehst, wäre am Wahlabend kein Problem zu befürchten.)

    Diese Einstellung ist nicht weniger arrogant als die kritisierte – sie ist nur noch abwegiger. Und du predigst damit eine falsche Toleranz gegenüber Leuten, die eine Partei wählen, die nah am Rechtsextremen agiert. Natürlich muss man mit den WählerInnen dieser Partei in eine inhaltliche und moralische Diskussion treten, aber man muss sie nicht lieb streicheln dabei. Schlussendlich haben sie sich aus freiem Willen dazu entschieden, menschenfeindliche Parteien zu wählen – die nebenbei angemerkt überhaupt keine Lösungen anbietet und die Sorgen der Menschen deshalb am allerwenigsten ernst nimmt.

    Dass man für solche Entscheidungen nicht von allen Menschen geliebt wird, müssen die FPÖ/BZÖ-Wähler akzeptieren. Da braucht sich niemand schützend vor sie zu stellen.

    • Zwischenrufer:

      Lieber Tom,

      ich wünsche dir wirklich, dass du bald die interessante Erfahrung machen darfst, dass die kleine, begrenzte Welt der Uni Wien nicht repräsentativ ist und auch nicht als politisch-moralische Richtschnur für das wirkliche Leben gilt. Das bedeutet in der Folge, dass du auch nicht darüber entscheidest, welchen Menschen Respekt entgegengebracht werden muss und welchen nicht.

      Im Grunde habe ich aber für deine Interpretation meines Beitrags durchaus Verständnis, denn in deinem Alter war ich auch Grüner Kampfposter. Keine Sorge, das gibt sich wieder, wenn du deinen studentischen Mikrokosmos irgendwann einmal verlässt.

      Der Zwischenrufer

      P.S: Inhaltlich habe ich dazu in meiner Antwort auf “hc voigt” ausreichend Stellung genommen.

      • Oh, den anderen mehr oder weniger als zu dumm und unerfahren zu bezeichnen, um eine valide Meinung haben. Tolles Argument. Überhaupt fällt mir auf, dass du auf Fragen und Kritik selten eine inhaltliche Antwort geben kannst.

        Vielleicht liegts ja an meinem “studentischen Mikrokosmos”, aber ich würd mir ja sorgen um meine Meinungen machen, wenn ich sie nicht begründen kann.

        PS: Und nein, deine Antwort auf HC Voigt beschreibt zwar wundervoll all deine (legitimen) Ängste und Sorgen, aber nicht, warum du einfach ignorierst, dass die linken Parteien darauf sehr wohl Antworten geben – nur halt leider nicht die einfachst- und dümmstmöglichen. Wie kommts, dass ein Marco Schreuder sich mit Grünen Inhalten anfreunden kann und darin Lösungen sieht, dass du aber so tust, als wären die Grünen die Verräter der Homosexuellen und die Beschützer von ausländischen homophoben Gewalttätern?

        (Und damit keine Irrtümer aufkommen. Wir beide lehnen solche Menschen mindestens gleichermaßen ab.)

  • prost:

    Nächsten Donnerstag wird die Bürgerinitiative Dammstrasse einen marsch aufs Rathaus machen um gegen die Islamisierung ihres Wohnviertels zu protestieren. Man sollte die leute nicht mit der FPÖ allein lassen und ihr ehrliches Anliegen unterstützen!
    Gerade weil die SPÖ die Anwohner seid Jahren verarscht und ihre Einwämnde gegen einen Moscheebau nicht ernst nimmt.
    http://www.moschee-ade.at/index.php?sid=news&nid=127

    • aha:

      Interessant Herr/Frau Prost. Werbung machen für den (erwartungsgemäß) größten Aufmarsch eines braunen Mobs in dieser Stadt in den letzten 10-20 Jahren (oder so). Beworben wird das Ding ansonsten noch von der FPÖ und auf diversen Neonaziseiten (alpen-donau info etc.),… jetzt halt auch auf zwischenruf.at.

    • alex:

      Ich werde jedenfalls hingehen. Wie ich gerade der oben genannten Homepage der Bürgerinitiative Dammstrasse entnommen habe, startet die Demo gegen das islamische Zentrum Dammstraße der ATIB am 14. Mai um 17 h am Ballhausplatz. Meines Wissens nach werden auch ÖVP-nahe Kreise an der Kundgebung teilnehmen (denen ich persönlich aber genausowenig angehöre, wie der FPÖ).

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