Wenn sich Politiker ein anderes Volk wählen…

Das neue Proletariat in Wien sind Menschen mit Migrationshintergrund.”
Michael Häupl, Der Standard, 27.02.09

Wien ist abgewirtschaftet, die sozialen Spannungen steigen. Die bisherigen, seit Generationen treuen, roten Wähler laufen in Scharen davon. Wie reagiert der Wiener Bürgermeister darauf? – Er zaubert schnell ein paar neue Wählerschichten aus dem Hut. Mich erinnert diese Haltung an ein Gedicht von Bert Brecht, das er anlässlich des Volksaufstandes in der DDR am 17. Juni 1953 schrieb:

haeupl_kroatienDie Lösung

Nach dem Aufstand des 17. Juni
ließ der Sekretär des Schriftstellerverbandes
in der Stalinallee Flugblätter verteilen,
auf denen zu lesen war, daß das Volk
das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
und es nur durch verdoppelte Arbeit
zurückerobern könne. Wäre es da
nicht einfacher, die Regierung
löste das Volk auf
und wählte ein anderes?

6 Kommentare zu „Wenn sich Politiker ein anderes Volk wählen…“

  • Häupl: “Es gibt Regeln des Zusammenlebens – und an die haben sich alle zu halten – ob mit oder ohne Migrationshintergrund.”

    Die Regeln würde ich gern sehen. Und die Kontrolleure auch.

  • Zwischenrufer:

    Scheinbar ist nicht nur die Wiener SPÖ am Sand: vergangenes Wochenende lies die SPD in großen, türkischen Zeitungen (u.a. “Hürriyet” und “Sabah”) Inserate schalten, in denen sie um neue Mitglieder warb.

  • touchdown69:

    stellt sich die frage wie lange es wohl dauern wird bis die spö solche anzeigen ebenfalls in türkischen zeitungen inseriert.
    schliesslich hat ja die spö bereits im letzten wahlkampf türkischsprachige plakate drucken lassen.

  • Die Frage ist mMn nicht die Sprache des Plakats, sondern die Botschaft. (Im Übrigen sind Plakate zudem recht weit davon entfernt ein wirklich entscheidendes Wahlwerbemittel zu sein. Dient eher zum “Flagge zeigen”)

  • touchdown69:

    selbst bei der presse haben sie die zeichen der zeit erkannt.
    ein wirklich guter und der realität naher artikel

    http://diepresse.com/home/meinung/kommentare/leitartikel/457880/index.do

  • Holaubeck im Öl:

    Nicht nur bei Euch ist es das Volk das ausgetauscht gehört.
    Tøger Seidenfaden, Chefredakteur der dænischen Tageszeitung Politiken(linksliberal), im schwedischen Fernsehen auf den Hinweis, dass Daenemark ja eine Hochburg des EU Widerstandes sei:
    “So kann man das sehen. Besonders auf Grund der zwei Volksabstimmungen, bei denen wir Nein gestimmt haben. Aber eigentlich ist es nur das Volk, das das Problem ist. Die Politiker und die Medien sind ja sehr pro EU eingestellt.

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