Zurücklehnen, zuschauen, geniessen…
“Im Vatikan ist man über die Diskussion in Deutschland geradezu entsetzt”, sagte der CDU-Politiker Georg Brunnhuber der “Financial Times Deutschland” nach einem persönlichen Gespräch mit Benedikt XVI. in Rom. Es herrsche der Eindruck, “dass alle antikatholischen Ressentiments, die in Deutschland schlummern, jetzt an die Oberfläche kommen”. (Quelle)
Also ganz im Ernst: als Atheist finde ich, der Papst macht momentan einen guten Job. Was das wieder Kirchenaustritte gibt…
–> Leseempfehlung: Du sag einmal, Loub…













weißt du, genau dasselbe hab ich mir auch heute schon gedacht. wenn der so weitermacht, ist das bald nur noch ein kleiner rechter verklemmter hardcoreverein ^^
So ein Unsenbatler aber auch dieser Herr Stadler:
BZÖ-Stadler rügt LH Pühringer wegen dessen Papst-Schelte
dabei ist der herr pühringer bestimmt nicht einer von den liberalsten schwarzen ^^
Danke, Marco Schreuder!
und weiter zurücklehnen…
Neuer Linzer Bischof Wagner, ist ein Homosexuellen-Heiler, der diesen armen Menschen nur helfen will. http://ooe.orf.at/stories/340768/
Im USAmiland gibt es auch so Verrückte, die die geballte Ansiedlung von Homosexuellen fordern, quasi als Schutzschilde und Lockstoff für die Katrinas dieser Welt.
Bravo, weiter so!
Diese Verhetzung steht in Österreich dank §188 unter Naturschutz.
Schon toll, wie sie ihr Märchen immer dann für wahr halten, wenn sie andere diskriminieren, aber sonst ist das alles natürlich nicht so wörtlich und ernst zu nehmen.
Ich als Atheist glaube, dass die Debatte uns Atheisten schaden und öffentlich marginalisieren wird.
Sowas hatten wir ja schließlich schon mal und zwar während der 90er. Jedes Monat ein Kirchenskandal, jede Menge Kirchenaustritte. Von Atheismus und Trennung und Kirche und Staat war aber nichts zu hören. In den Religionssendungen des ORF wurde der Atheismus für gescheitert und ausgestorben erklärt. Ist doch logisch, nach dem Fall der Sowjetunion. Überall war von neuer Religiosität und Spiritualität die Rede.
Die Kirchenaustritte wurden nämlich rundweg als Protest aufgefasst, während früher einer, der nicht in die Kirche geht und austritt einfach ein Ungläubiger war.
Die öffentliche Debatte wird von katholischen Hardlinern und den Paul Zulehners dieser Welt dominiert. Die Reformkatholiken vermitteln den Eindruck, dass die Bekenntnisfreien sofort wieder in die Kirchen strömen würden, wenn nur Frauen zu Priestern geweiht würden und der Papst Kondome empfehlen würde.
Dadurch, dass sich Journalisten und nun auch Politiker in einen albernen innerkatholischen Streit einmischen, wird diesen innerkatholischen Glaubensfragen ein überhöhtes Gewicht beigemessen.
Und viele Atheisten machen dann bei der Kirchenkritik leider auch noch mit, so als würde sie das etwas angehen.
@dieter
Uns Atheisten? Atheismus ist keine Ideologie und keine Glaubensrichtung. Das einzige, was Atheisten eint und sie definiert ist der Mangel an Glauben an Gott/Götter oder übernatürliche Wesen. Somit sind die allseits beliebten Buddhisten (nicht alle) auch Atheisten.
Seit der Zeit der Kirchenskandale (Fall Groer, Ernennung Krenn) in den 90ern hat sich sehr viel getan.
9/11 war sicher ein Wendepunkt: davor war Kirchenkritik links oder innerkirchlich und Islamkritik rechts und katholisch. Davor hatte niemand das Recht die Kirche (den Papst) zu kritisieren, der nicht irgendwie noch innerhalb der Kirche war. (Küng – Wir sind Kirche, Befreiungstheologie, selbst die Homosexuellen haben ihre Gruppe innerhalb der Kirche auch um diese kritisieren zu können. HUG, HUK .)
Seit 9/11 und den Folgen und der nicht mehr wegzuleugnenden Segregation statt Integration von Immigranten in ganz Europa bzw. des Imports von bislang verdrängten “Innerislamischen” Eigenheiten (Stellenwert und Bekleidungsvorschrift der Frau, Vorstellungen von Moral und Ehre, Rechtssystem,…), dämmert es so langsam jedem, dass Religionen direkte Auswirkungen auf die Gesellschaft, auf das Rechtssystem und die persönliche Freiheit haben, ganz egal, ob und was man selbst glaubt oder nicht glaubt.
Dass sich die Zeit verändert hat, sieht man daran, dass Religionskritik en vogue ist. Wenn man heute in einer Buchhandlung im Bereich Religion die ausgestellten Bücher betrachtet, wird man mindestens ein Viertel religionskritische Literatur entdecken. (Vor 10 Jahren war Küng das höchste der Gefühle)
“Der Gotteswahn” (auf deutsch Sept. 2007) stellt für mich hier den Wendepunkt dar.
Als Innerkatholisch kann man die Aussagen des Piusbruders Richard Williamson, viele Aussagen des neuen Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner und deren Anerkennung/Ernennung durch den Papst und viele Aussagen des Papstes nicht bezeichnen, weil diese Aussagen Menschen (in- und außerhalb der kath. Kirche) denunzieren und zu deren Denunzieren aufrufen und strafrechtlich (im Sinne der Wiederbetätigung) relevant sind.
Abgesehen davon, ist es wissenschaftlicher Nonsens, dass Wirbelstürme und Tsunamis von sündigen Menschen oder deren Absichten magnetisch angezogen werden und dass Homosexuelle heilbar, also krank wären.
Solche Aussagen richten sich gegen einen beachtlichen Anteil der Gesellschaft und sind meiner Meinung nach hetzerisch und der Papst sollte auch in diesem Fall den Linzer Weihbischof zum Widerruf bewegen müssen.
Dazu wird ihn aber die Gesellschaft nicht aufrufen, weil beispielsweise Homosexuellen-Bashing gesellschaftlich anerkannt ist.
Hier noch ein Link zu einem Atheisten, der sich auch um Religion kümmert und mit diesem Video begründet, warum Atheisten sich um Religion kümmern müssen. Dieses Video hat natürlich hauptsächlich USA-Bezug.
Per Definition ja. Aber wir sind auch in einem Staat, in dem es keine
Trennung von Religion und Staat gibt, auch defacto in vielen Dingen
eine Interessensgemeinschaft.
Besonders problematisch ist es, wenn sich Reformkatholiken anmaßen, für
sämtliche Bekenntnislose zu sprechen.
Das ist ein weit verbreitetes Gerücht von Buddhisten, die unter
Atheisten missionieren wollen.
Vor dem 11.9. kritisierten nur ganz wenige den Islam. Fundiert tat das
hauptsächlich der Atheist Ibn Warraq. Haider fand den Islam sympathisch
und katholische Bischöfe, wie Kurt Krenn erhofften sich eine
Respiritualisierung Europas durch den Islam und bewunderten die für sie
vorbildliche Frömmigkeit der Muslime. Wir dürfen die Lorbeeren für die
spärliche frühe Islamkritik nicht den Rechten und Katholiken
unverdienterweise zukommen lassen.
Die Wende fand meiner Meinung nach schon vorher auf Grassroots-Level
statt. Sam Harris Buch “The End of Faith” sei hier erwähnt.
Bis vor kurzem galt Karlheinz Deschner im deutschsprachigen Raum als
Oberatheist und der beschäftigt sich eben obsessiv mit Kirchenkritik.
Man muss hier Religionskritik und Kirchenkritik unterscheiden. Neu ist
die offene Kritik am Glauben an sich und dass sich so viele Atheisten
zu ihrem Unglauben bekennen. Diese Entwicklung sehe ich positiv und ich
wünsche mir keine Rückkehr zu albernen Papst-Karikaturen und Gestichel
bezüglich Zölibat und Frauenpriestertum. Genau diese Rückkehr der
öffentlichen Debatte nehme ich nun wahr.
Das ist nicht weniger Nonsens, als die sonstigen Glaubensinhalte der
katholischen Kirche, wie Heilige, Walfahrtsorte, Auferstehung,
Eucharistie und Exorzismusglaube. Falls Gott existiert, dann hat er auch den Tsunami
verursacht. Warum sollten Atheisten hier die Vorstellung eines lieben
Gottes verteidigen, die, wie Bischof Wagner selbst gesagt hat, nirgends
in der Bibel steht.
Das Aufheben der Exkommunikation bedeutet, dass Bischof Williams wieder
den Leib Christi empfangen darf. Ich halte es eben für albern, wenn
Atheisten darüber mitbestimmen wollen, wer nun ein Sakrament empfangen
dürfen soll, an das wir selbst nicht glauben.
Man muss trennen zwischen Fragestellungen, die über die Kirche hinaus
Relevanz haben und innerkirchlichem Kinderkram. Vieles an der Kritik an
Bischof Wagner kann ich nicht nachvollziehen. Er steht einfach für den
Katholizismus, den meine Großeltern noch gelebt haben. Da galt es als
Selbstverständlichkeit, dass man, wenn man einen Gottesdienst auslässt,
erst mal beichten sollte, bevor man die Kommunion empfangen kann.
Und was genau soll den ein Widerruf bringen? Das wäre sowieso nur
geheuchelt.
Die ganze Debatte bringt uns von der Glaubenskritik ab, die den innerkatholischen Überlegungen zur Homosexualität oder sonstigen Fragen, die Grundlage entzieht und klar macht, dass weder Reformkatholiken, noch Vatikantreue für den säkularen Österreicher sprechen. Wenn Atheisten hier Reformkatholiken zu Hilfe eilen, dann verleihen sie ihnen und dem Katholizismus an sich Gewicht.
Ich will meinen Gedanken noch mal zusammenfassen, der der Grundthese von Sam Harris entspricht.
Was wir brauchen ist eine vernunftbasierte und tabulose Diskussion über alle Themen, inklusive solchen, in denen Gläubige eine Sonderwahrheit zu besitzen glauben.
Die Reformgläubigen helfen uns da nicht weiter. Sie sind eher Teil des Problems, indem sie eine wahrhaft vernunftbasierte Diskussion verhindern. Sie spielen gegen die Fundis nach ganz anderen Spielregeln auf ihrem eigenen Spielfeld. Wir sollten bei diesem Spiel nicht mitmachen. Wir haben ein besseres Spiel mit besseren Regeln.
Küng hat übrigens Ende der 80er gegen die Einladung Salman Rushdies interveniert. In Fragen der Islamkritik sind die ach so kritischen Reformkatholiken Wunschdenker und Beschöniger. Und dabei ist der Islam heute wesentlich dynamischer und stärker, als die schwächelnde katholische Kirche mit ihrer Karteileichen-Anhängerschaft.