Im Wiener Gemeindebau…

haarraufenBekanntlich stehen in Wien Gemeinderatswahlen vor der Tür. Dabei werden die Gemeindebauten als eines der wichtigsten “Schlachtfelder” zwischen SPÖ und FPÖ gehandelt, immerhin konnten hier die Blauen bei der letzten Wahl besonders stark zulegen. Die Zufriedenheit mit der Lebenssituation dürfte sich in der Zwischenzeit eher nicht verbessert haben. Es ist also Feuer am Dach der Wiener SPÖ!

Nun veröffentlichte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig das Ergebnis einer  Mieterbefragung – von angeblich (!)  220.000 ausgesandten Umfragebögen wurden wieder angeblich (!)  ca. 45.000 retourniert. Demnach zeigten sich sich die Gemeindebaubewohner mit der Ausstattung (rund 80 Prozent) sowie der Mietpreisgestaltung (circa 60 Prozent) mehrheitlich zufrieden. Über die Zufriedenheit mit der veränderten Bevölkerungstruktur in den Gemeindebauten war wenig zu erfahren, außer:

Das Integrationsthema sei zwar auch hier ein Thema, das er ernst nehme, aber den Gemeindebau als Kampffeld zwischen SPÖ und FPÖ hinzustellen, ist Unsinn.” (Bürgermeister Michael Häupl)

Nun, da in meinem Postkasten niemals so ein Umfragebogen angekommen ist, nutze ich die Gelegenheit und berichte an dieser Stelle über meine Erlebnisse als Gemeindebaumieter in Wien Leopoldstadt.

Mein Bau hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Meine beiden älteren Nachbarinnen sind mittlerweile leider verstorben, generell herrscht im Haus ein reges Kommen und Gehen. Jede freie Wohnung wird – ausnahmslos! - an eine ausländische Familie vergeben. Mittlerweile bin ich der einzige Österreicher im Haus. Die Türschilder an der Hauseingangstür werden seit eineinhalb Jahren nicht mehr ausgewechselt, vermutlich um zumindest nach außen den Anschein der Normalität  zu wahren.

tuer1Mein linker Nachbar (aus dem Kosovo?) hat gleich nach seinem Einzug seiner kreativen Ader freien Lauf gelassen und die Wohnungstür komplett schwarz gesprüht. Damit es nicht ganz so trist wirkt, wurde die Tür mit goldenen, orientalischen Ornamenten verziert und wirkt seither wie das Eingangsportal eines Puffs aus Tausendundeiner Nacht. Dazu passend gibt es regelmäßig Partys.

Rechts von mir wohnt jetzt eine arabische Familie, die Frauen selbstverständlich von oben bis unten eingewickelt. Diese Damen haben mit den Damen der türkischen Familie, die über mir wohnt, insofern interessante Gemeinsamkeiten, als sie sich standhaft weigern, mich ohne ihren Pascha in Begleitung im Stiegenhaus zu grüßen. Macht nix, dafür müssten sie nämlich deutsch sprechen können, was ohnehin nicht der Fall ist. Da zwecks Lüftung einfach die Wohnungstür sperrangelweit offen gelassen wird, erhasche ich ab und zu einen kurzen Blick in dieses kleine Reich mohammedanischer Lebensfreude, spannend!

Die ex-jugoslawische Familie im 4. Stock hat sich jetzt einen Kampfhund zugelegt. So ein richtig schweres, muskulöses Tier. Macht Spaß, den Junior damit beim Gassi gehen zu beobachten.

Apropos Kampfhund: immer mehr Bäume in der Umgebung haben schwere Schäden, da sie von gewissen Herrschaften dazu verwendet werden, ihre Hunde daran scharf zu machen. Die Bissspuren sind furchteinflössend, aber das ist die serbische Dame mit dem unerträglichen Stimmvolumen von visavis auch. Nur die Polizei vermag es, ihr Stimmchen hin und wieder zu beruhigen.

Zurück zu mir ins Haus. Obwohl wir direkt vor der Haustür mehrere Mülltonnen haben, wird der Mist lieber in große Säcke verpackt und tagelang auf den Gang gestellt. Dort gesellt er sich dann zu Sperrmüll und Möbel, die immer öfters den Stiegenaufgang und die Lifttür verstellen. Die Aufforderung, die Stiegen und Gänge frei zu halten, wird von der Wohnungsverwaltung mittlerweile in vier Sprachen plakatiert und zeitigt doch keine Folgen. Alte Möbel, die auf den Gängen keinen Platz finden, werden einfach neben die Mülltonnen gestellt. Die Räumungs- und Entrümpelungskosten darf ich selbstverständlich über die Jahresabrechnung mitzahlen.

Über die mutwillig zerkratzten Wände, die regelmässig angespuckten und angerotzten Scheiben des Lifts und die Hundescheisse vor der Tür möchte ich mich hier gar nicht länger auslassen. Das erzähle ich dann den SPÖ-Funktionären im persönlichen Gespräch, wenn sie bei der nächsten Wahl wieder an meine Tür klopfen, und um meine Stimme werben.

8 Kommentare zu „Im Wiener Gemeindebau…“

  • Naja, was du da schilderst klingt wirklich nicht angenehm. Allerdings halte ich einige Kritikpunkte für überzogen – das fängt schon bei der “Ausländervergabe” an, da eingebürgerte Ausländer ja genauso ein Recht auf eine Gemeindewohnung haben wie hier Geborene. Auch dass irgendwelche Leute ihre Türen anmalen oder nicht grüßen halte ich persönlich für überwindbar.

    Müll draußen stehen lassen oder die Hundescheiße im Gang ist da natürlich ganz was Anderes, aber helfen da wirklich keine Beschwerden bei Wiener Wohnen? Die müssten doch auch mal härter durchgreifen wenn sich so was ständig wiederholt, oder? Lustigerweise hab ich in meinem Bau (immerhin im 20.) gar nicht solche Probleme – was nicht heißt, dass das jetzt alles überzogen ist, aber es ist doch verwunderlich wie unterschiedlich es in den Gemeindebauten zugeht.

  • alex:

    @ Zwischenrufer
    Dass es im Gemeindebau bereits derartig schlimm ist, hätte ich mir nicht gedacht. Ich gratuliere Dir zur enormen Geduld, die Du anscheinend jeden Tag aufs neue aufbringst. Da lob ich mir meine Genossenschaftswohnung am Stadtrand, in der ich zwar mittlerweile auch Tür an Tür mit zwei größeren serbischen Familien lebe, die allerdings sehr nett sind und keinerlei Haustiere bzw. Kampfhunde besitzen. Und in die gegenüber vor kurzem frei gewordene Wohnung ist – man höre und staune – wider Erwarten ein Österreicher eingezogen. Ach ja, fast hätt’ ich’s vergessen, in der Nachbarstiege wohnt ein aus Marokko stammender Imam, der vor zwei Jahren meine für nur wenige Augenblicke unbeaufsichtigt neben dem Auto abgestellte Einkaufstasche als Selbstbedienungsladen angesehen hat. Das war zwar sehr unangenehm, aber da ich mir gleich anschließend im Rahmen eines ernsthaften Gesprächs mein Eigentum zurück geholt habe, ist derartiges nie wieder vorgekommen.

    Falls Du es jedenfalls eines Tages nicht mehr im Gemeindebau aushältst empfehle ich Dir, Dich zwecks Umzug an die GESIBA in der Eßlingstraße (beim Ringturm) zu wenden, wo es ein gutes, über alle Bezirke verteiltes Wohnungsangebot zu fairen Preisen gibt (so berappe ich für 80 m2 in Grünlage nur 410 Euro pro Monat, einziger Nachteil: der Weg zum Supermarkt ist weiter).

  • Zwischenrufer:

    Heute hatte ich eine 4-seitige Hochglanz-Jubelbroschüre im Briefkasten, die mir die Ergebnisse der Umfrage noch einmal in den schönsten Farben näher bringt. Die Kosten dafür finden sich dann auf der nächsten Jahrsabrechnung, nicht wahr, Herr Bürgermeister?

  • input:

    alex :
    @ Zwischenrufer
    Dass es im Gemeindebau bereits derartig schlimm ist, hätte ich mir nicht gedacht.

    Man muss nicht alles glauben. In dem “Bericht” wird ja wirklich jedes Klischee bedient.

  • Zwischenrufer:

    @input
    Ach, Sie möchten also mit mir für einen Monat die Wohnung tauschen und sich von der Wirklichkeit überzeugen?

  • dieter:

    Bei mir im Zinshaus sind speziell jene Ausländer ausgezogen, deren Anwesenheit ich, sagen wir mal, nicht vermisse. Die sind jetzt wohl alle in Zwischenrufers Gemeindebau umgezogen. Stattdessen sind Studenten und Bobos eingezogen.

    Zwischenrufer schreibt:
    Obwohl wir direkt vor der Haustür mehrere Mülltonnen haben, wird der Mist lieber in große Säcke verpackt und tagelang auf den Gang gestellt. Dort gesellt er sich dann zu Sperrmüll und Möbel, die immer öfters den Stiegenaufgang und die Lifttür verstellen. Die Aufforderung, die Stiegen und Gänge frei zu halten, wird von der Wohnungsverwaltung mittlerweile in vier Sprachen plakatiert und zeitigt doch keine Folgen. Alte Möbel, die auf den Gängen keinen Platz finden, werden einfach neben die Mülltonnen gestellt. Die Räumungs- und Entrümpelungskosten darf ich selbstverständlich über die Jahresabrechnung mitzahlen.

    Kommt mir bekannt vor.

    Mathias schreibt:
    Müll draußen stehen lassen oder die Hundescheiße im Gang ist da natürlich ganz was Anderes, aber helfen da wirklich keine Beschwerden bei Wiener Wohnen? Die müssten doch auch mal härter durchgreifen wenn sich so was ständig wiederholt, oder? Lustigerweise hab ich in meinem Bau (immerhin im 20.) gar nicht solche Probleme – was nicht heißt, dass das jetzt alles überzogen ist, aber es ist doch verwunderlich wie unterschiedlich es in den Gemeindebauten zugeht.

    Hahaha! ROFL

    Sieh dir mal irgendeinen Hinterhof eines privaten Zinshauses im 20. an. Sperrmüll, verrottende Matrazen und Möbel sind Normalität. Die Hausverwalter haben den Kampf vor schätzungsweise zehn Jahren aufgegeben und schicken halt regelmäßig einen Entsorgungstrupp vorbei.

    Genauso wie Wiener Hundesitzer sich einen Dreck um den Dreck ihrer Lieblinge scheren, wird sorgfältige Müllentsorgung oder gar Recycling von Zuwanderern maximal als kurioses Hobby der Einheimischen betrachtet. Dagegen ist kein Kraut gewachsen, genauso wie gegen die Hundstrümmerln der Hunde haltenden Mundls. Da kann man plakatieren, was man will.

    Der Versuch, die Integration durch die Öffnung des Gemeindebaus zu fördern, dürfte für die SPÖ wohl nach hinten los gehen. Da erleben einige Gemeindebaubewohner nun einen Kulturschock im Schnellvorlauf. Hoffentlich reicht es nicht für Strache.

  • Klane:

    nach durchsicht eurer statements hab ich mal über “meinen” gemeindebau nachgedacht und bei uns leben menschen mit verschiedenen migrationshintergründen und auch diverse altersgruppen zusammen. denke das es bei uns auch viel schlimmer aussehen und zugehen würde, wenn wir nicht so eine “strenge” hausbesorgerin hätten.

    ich weiß, viele sind gegen eine/n hausbesorger/in.. aber bei uns hilft es echt.. die dame hat alles unter kontrolle und egal wer ein sackerl stehen lässt, der findet das am nächsten tag vor seiner tür mit einem bösen brief von ihr dabei. und nach ein paar vorfällen, haben sich alle das “nicht sehr löbliche verhalten” abgewöhnt.

    finds echt heftig, das sie bei wr. wohnen nichts gegen solche vorfälle unternehmen und das einfach schleifen lassen…

  • Jettytant:

    Alle Menschen werden Brüder – Traum der jungen SPÖ + Grüne
    ist leider eine Utopie die niemals Realität werden wird.
    Die immer mehr zunehmende Masse von neueingebürgerten “Wienerinnen und Wienern” mit Migrationshintergrund und die sonst nirgends unterzubringenden arbeitslosen Jungpunks müssen halt irgendwo untergebracht werden. Die Alteingessenen sterben eh bald aus und die Übriggebliebenen müssen eben ausziehen oder sich der neuen Ordnung der Gemeindebauwelt unterordnen und zusammenstreiten. So sehen die Verantwortlichen für die Wiener Gemeindebauten das. Soviele Beschwerden können da gar nicht kommen, dass die ihre Meinung ändern werden. Traurig, aber das ist Fakt.

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