Gedanken zum Tod Jörg Haiders…
Ich komme gerade von einem Seminar, wo selbstverständlich auch Jörg Haiders tödlicher Unfall Thema war. Ein kurzer Blick ins Internet bestätigte, was ich auch den Tag über mitbekommen hatte: während die einen Haider gleich neben Jesus auf einem Wolkerl sitzen sehen möchten, führen die anderen ob seines Ablebens fast schon virtuelle Freudentänze auf. Für mich kommt beides nicht in Frage.
Haider war ein Hauptgrund für meine persönliche Politisierung. Als Jugendlicher war ich von seiner Politik und der (rechten) Reaktion der SPÖ darauf (Stichwort: Löschnak) so angewidert, dass ich begann, mich in der damals sehr aktiven antifaschistischen Jugendbewegung zu engagieren. Die brennenden Flüchtlingsheime in Deutschland trugen dann auch ihres dazu bei, um für mich bald klar zu haben, auf welcher Seite ich als junger Mensch auf keinen Fall stehen mochte: auf jener der Hetzer und Mörder. Mittlerweile sind viele Jahre vergangen, und ich habe gelernt, dass die Welt nicht so einfach in schwarz/weiß, gut/böse, Freund/Feind einzuteilen ist. (Abgesehen davon sind für mich aber Hetzer immer noch Hetzer und Mörder immer noch Mörder.)
Läge in Österreich nicht tatsächlich so vieles im Argen, hätte Haider auch niemals seinen fulminanten Aufstieg erlebt. Er hatte ein unglaubliches Talent dazu, seine Finger dort hineinzustecken, wo es weh tat. Mit seiner Politik spielte er virtuos auf der Klaviatur der Gefühle und erzeugte Angst und Hoffnung, Aufbruchs- und Untergangsstimmung, Hass und Zuneigung zugleich. Für die einen war er der Ersatz-Messias, für die anderen fast schon der Leibhaftige. Kalt ließ Jörg Haider niemanden. Zuletzt erzeugte er Schrecken und Aufregung mit der Ankündigung, auf einer Alm eine Sonderanstalt für mutmaßlich kriminelle Asylwerber einrichten zu wollen, was ihn allerdings nicht daran hinderte, als möglicher Regierungspartner, parat zu stehen. Oh, du mein Österreich!
Bei aller berechtigten und notwendigen Kritik: Haider hat Österreich nachhaltig verändert. Und zwar – ausdrücklich! – nicht nur zum Schlechteren.
Empfehlenswerte Blog-Beiträge zum Thema:
http://feuerhaken.org/2008-10-11/joerg-haider-tot/
http://neuwal.com/index.php/2008/10/11/zu-frueh-jorg-haider-ist-tot/
http://marco-schreuder.at/2008/10/sehr-persnliche-notizen-zum-tod-jrg.html













ist nicht ganz leicht, mit diesem thema umzugehen. jedenfalls scheint es vielen an niveau zu fehlen, hüben wie drüben.
ich finde es wichtig, dass auch über den tod jörg haiders mit respekt und ohne hysterie geschrieben wird [gilt für beide richtungen, die wölkchen- und die freudentanz-fraktion].
Kann tyrande nur zustimmen. Doppelt unterschrieben.
Mir wurde gestern zunächst übel, angesichts der geschmacklosen Postingflut im Standard. Überlegte kurz etwas beizutragen, befand es dann aber als absolut sinnlos (ließt eh keiner). Später, alle Postings waren gelöscht und die Kommentierfunktion gesperrt, entdeckte ich nervöser Poster das Internetkondolenzbuch, wo es mir dann wiederum die Sprache verschlug. (Zu der Zeit gab es ca. 1300 ausschließlich Haider wohlgesinnte Einträge.)
Ob dieser geballten Einseitigkeit wurde mir schlecht und auch wegen der Sprache: “Gefallen für das Vaterland” “Jörg, geh du voran!” “Ein zweiter Mozart ging von uns…”
- Ich wusste nicht mehr, stimmt mit mir was nicht, weil ich derart religiösen Gefühlen überhaupt nicht zugänglich bin? Mir macht das ganze Angst! -
So ähnlich müsste die Bibel entstanden sein: In Kärnten viel die Sonne vom Himmel! Es war wie 9/11! Weltuntergang!
Nach einem Tag ORF – Trauerberichterstattung wagte Armin Wolf ein Resümee zu ziehen und ein paar zukunftsorientierte Fragen zu stellen und wurde hart dafür kritisiert.
So fragte Wolf beispielsweise Herrn Petzner, der davon sprach, wie Haider und er gerade noch davon träumten nach den nächsten Wahlen ins Kanzleramt einzuziehen, ob Haider nicht letztendlich mit seiner Politik gescheitert sei?
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Leider ist Haider weg! Kein anderer wird die Schwächen und den Zustand der restlichen politischen Parteien und des österreichischen Staates derart sichtbar machen. Wieso hat keine andere Partei eine Figur mit einer solchen Strahlkraft? Haider = BZÖ und umgekehrt.
Das ist auch schon die Erklärung, denn was immer Haider machte, das war Programm.
Haider war ein Schalk (im positivem Sinne). Ein würdiger Gegner und Mitspieler. Eines hätte ich mir noch erhofft, vielleicht in zehn Jahren und auch deshalb ist er zu früh gestorben, sein Coming Out. Aber das hat er sich wahrscheinlich auch fürs Kanzleramt aufgehoben.
Mit Verlaub, darkwin: Die Aussage “Leider ist Haider weg!” politisch zu begründen, halte ich für mehr klar verfehlt.
Es sollte außer Frage stehen, dass man ein solches Schicksal selbst seinem schlimmsten Feind nicht wünschen sollte, speziell, wenn seine Mutter dieses Schicksal auf den Tag genau zu ihrem 90. Geburtstag zu verkraften hat. Selbst wenn ich die Nachrufe der Spitzenpolitiker als latent posthum verklärend wahrgenommen habe, ich muss ihnen doch Recht geben, wenn sie einen solchen Tod als unfassbar und unglaublich bezeichnen und die Beileidsbekundungen an die Familie in den Vordergrund stellen – denn so etwas wünscht man erst recht keiner Familie.
In politischer Hinsicht fällt es mir allerdings – bei all der Fassungslosigkeit, die auch ich empfand – schwer, zu sagen, dass ich ihn vermissen werde. Dann müsste ich wohl lügen. Haider mag zwar durchaus auch Gutes bewirkt haben, war allerdings doch vor allem ein Rechtspopulist, der – ideologisch sicher von seinen nationalsozialistischen Eltern geprägt – Ängste schürte, für menschenverachtende Prinzipien und Entscheidungen stand (vom Ausländervolksbegehren über den Beschäftigungspolitiksager bis hin zu seiner brandneuen Einrichtung auf der Saualm) und wohl gerade dafür Sympathien erntete und zum Messias erklärt wurde. Und das, obwohl er Kärnten einen finanziellen Rucksack mit auf dem Weg gegeben hat, an dem kommende Landesregierungen schwerstens zu kiefeln haben werden.
Ich kann nur sagen: Es ist menschlich zu bedauern, dass Haider tot ist. Ich würde es ungeschehen machen, wenn ich könnte, denn so etwas – ich werde nicht müde, es zu erwähnen – wünscht man niemandem. Ich hätte es allerdings bevorzugt, wenn mit Haider auch seine politischen Ansichten und sein Vermächtnis gestorben wären. Man darf nie vergessen, dass er in Kooperation mit dem unsäglichen Dr. Schüssel seine rechtsegoistische Politik erstmals wirklich salonfähig gemacht hat. Und das verzeihe ich ihm auch nach seinem Tod bestimmt nicht.
Schwierig zu antworten.
Ich glaube Haider ist zwar weg aber es ist jetzt etwas da, was noch schlimmer ist. Deshalb: “Leider ist Haider weg!”
Naja, okay, schauen wir mal, was das für die beiden Rechtsparteien überhaupt bedeutet. Ich möchte da noch keine Prognose abgeben, aber wenn eine einzige Partei da einmal das rechte Wählerpotenzial auf ihre Seite ziehen kann, dann… na, gute Nacht.
Nun ich mag Haider überhaupt nicht. Das er tot ist, kann er seiner eigenen Lebensweise verdanken. Events, Events und nichts als Evenst. Man erbt Millionen und was macht er? Events, Events und wieder nichts als Events. Reichtum macht Leichtsinnig, vermeintliche Erfolge machen noch Leichtsinniger, man fühlt sich unangreifbar. Man wird alt und unaufmerksam. Man hat subjektiv das Gefühl über die Anderen zu stehen. Man hat eh ein sicheres Auto, wieder dieses subjektive Gefühl. Und fährt Richtung Bärental. Hatte das mal nicht einem Juden gehört??? Aber wem kratz das, jetzt gehört es MIR MIR MIR. Der Gier nach dem Materiellen. Und er fährt Richtung nach dem subjektiv SEINEM Bärental. Hat ihm nie gehört, hätte schon längst dem rechtmässigen Besitzer zurückgeben sollen. Aber irgend ein Gericht hat ja entschieden, das es ihm gehört. Nur in den Augen Gottes zählt das nicht. Auf Gestohlenem (und wenn es sein Onkel war)gibt es kein Segen. Die erste Warnung hatte er ja schon vor 15 Jahren aber er hörte nicht, der Gier verstellte die Sicht.
Gott straft nicht sofort. Aber er straft. Ohne Bärental wäre er noch am Leben.
PMP
@ RMP:

[und einmal mehr fällt mir auf: die schrägsten postings kommen immer von anonymen]
Von mir etwa auch? Tut mir leid, die Schachtelsätze sind einfach ein Laster von mir, das lässt sich nicht so einfach abschütteln. Zu schräg klingen wollte ich aber bestimmt nicht. =o
@darkwin
Wenn wir schon über guten Geschmack reden: Nein, der Muttergeburtstag taugt nicht dazu, die Raserei zu verniedlichen. Dies ist pietätlos gegenüber Tausender unschuldiger Raseropfer. Haider hätte solche offenbar auch in Kauf genommen. Seien wir froh, dass er sich selbst ausgebremst hat.
habe obigen Link entfernt – der war einfach nur zum Speiben, darkwin
nä, schachtelsätze sind schon in ordnung. kritische auseinandersetzung ebenso [ich bin nicht deiner meinung, was die mutter betrifft]. du hältst ein niveau, das ich bei rmp/pmp vermisse, deswegen warst definitiv nicht du gemeint
@letzte widmung: ich weiß gar nicht, wie die geschmacklosigkeit deiner seite in worte gefasst werden kann. wollen wir hoffen, dass dein ableben eines tages weniger zynisch kommentiert wird.
@Zwischenrufer
Richtig so klopfe dir nur auf dem Kopf. Nur es wird dir nichts nützen.
)
Ich bleibe dabei. Der Eventman ist selbst Schuld. Ohne Bärental könnte er noch leben, weil er dann vielleicht wo anders gewohnt hätte. Ist doch logisch odrrr?
Klopf weiter, aber du wirst es sicher nicht verstehen, auch wenn du noch so viel klopfst.
RMP
@RMP: deine “Argumentation” ist einfach nur hirnrissig. Was hat das Bärental damit zu tun? Hätte er einen Chauffeur genommen, oder wäre er etwas langsamer gefahren, würde er noch leben, mit oder ohne Bärental. Nach deiner Logik könnte man ja auch gegen die Erbauer der Strasse losgehen, denn wenns die nicht gegeben hätte, wäre der Unfall ebenfalls nicht passiert. So what?
Bin ja wirklich kein Freund von Zensur, aber bei einigen hirnrissigen Kommentaren könnte ich mich mit dem Gedanken einer Zensur sehr gut anfreunden!
Barschel, Herrhausen, Möllemann, Leichsenring, Haider und auch Lady Di
alles polarisierende Menschen, die für “Veränderung” standen.
WER will hier eigentlich das alles beim alten bleibt ?
Vielleicht diejenigen, die auch sonst an den Stühlen der Macht kleben !!!
Handlanger : Gestapo, Stasi, Verfassungsschutz
Volk steh auf , Sturm brich los
@ Stephan: Keine Sorge, wir haben die schlimmsten Einträge off geschaltet. So haben wir noch etwas zur Beweissicherung, falls nötig.
@ “Rudi Niemand”: Na, sie kleiner Verschwörungstheoretiker? Aus welchem Grund endet ihr Beitrag eigentlich mit Josef Goebbels Schlusssatz aus seiner berüchtigten Sportpalast-Rede? War wohl nur ein Versehen, gell?
Irgendwie fühl ich mich nun auch dazu bemüßigt meinen “Senf” dazu abzugeben.
Auch als gebürtiger Kärntner ging ich sicher nicht immer mit Dr.Haiders Meinung konform. Ich finde trotzdem, daß er einiges bewegt hat und die politsche Landschaft Österreichs, vor allem in Kärnten geprägt hat. Jörg Haider hat einen Fehler gemacht, dafür hat er bezahlt, mit seinem Leben.
Er hat polarisiert wie kaum ein anderer Politker… Eines möchte ich klarstellen, Populist hin oder her, er ist auf die Menschen zugegangen, hätten dies andere Politiker auch gemacht, wäre die Wahl vielleicht anders ausgegangen. Wir leben glücklicherweise in einer Demokratie, wo jeder das Recht hat selbst eine Entscheidung zu treffen, das Wahlergebnis
gab ihm Recht.
Ich möchte Herrn Dr. Haider weder in den Himmel loben, noch in die Hölle verdammen, der Umstand dass er alkholisiert mit zu hoher Geschwindigkeit ums Leben gekommen ist, bleibt Fakt.
Trotz allem war er eine Persönlichkeit, wie es sie so selten auf der “politischen Leinwand” zu sehen gibt.
Mein Mitgefühl gehört in diesen Stunden seiner Familie, die einen Sohn, Ehemann und Vater verloren hat.
Wie bereits erwähnt, Fehler machen wir alle, ob groß oder klein, mit den Konsequenzen müssen wir selbst zurecht kommen.
In diesem Sinne, lasst ihn in Frieden ruhen, er hat es genauso verdient wie jeder andere auch. Vielleicht ruft man sich das ganze selbst ins Gedächtnis wenn man mal wieder zu schnell fährt oder sein Auto nicht stehen lassen möchte wenn man zuviel getrunken hat.
Ingo D.
Hallo Ingo!
Be vielem stimme ich dir zu. Das kannst du im obigen Beitrag auch nachlesen. Allerdings habe ich in einzelnen Punkte sehr wohl eine widersprüchliche Meinung.
Ja, Haider ist auf (manche) Menschen zugegangen. Andererseits hatte er keinerlei Skrupel, Menschen für seine politischen Interessen zu instrumentalisieren und ganze Personengruppen auszugrenzen. Auch das charakterisierte den Politiker und Menschen Haider.
In den letzten Tagen wird oft Pietät eingefordert. In den meisten Fällen zu Recht. Allerdings darf nicht vergessen werden, wie er sich anderen zu Schaden gekommenen Menschen gegenüber verhielt. Ich denke da etwa an seine Reaktion nach dem Tot Omofumas. Die war zumindest genauso jenseitig, wie das, was ihm jetzt widerfährt.
Haider hat zeit seines Lebens polarisiert. Warum soll das jetzt, nach seinem Ableben, anders sein?
Die unkritische Haider-Hysterie, die jetzt durchs Land geht, lehne ich ebenso ab wie das öffentliche Nachspucken ins Grab. Allerdings muss erlaubt sein zu sagen, was zu sagen ist.
Was die Spekulationen rund um Haiders letzte Stunden, seinen Aufenthaltsort und Gesellschaft angeht, so würde ich sie mir – bei jedem anderen Menschen – strikt verbieten. Aber gerade hier wird die Widersprüchlichkeit und Unredlichkeit Haiders besonders gut sichtbar: er selbst hat offenbar das ausgelebt, was seine Partei wiederholt anderen Menschen angekreidet hat. (Stichwort: Tempoüberschreitung. Stichwort: Homosexualität.)
Diese Doppelmoral ist meiner Meinung nach mit ein Grund dafür, dass die Reaktionen nun so ausfallen, wie sie eben ausfallen.
Der Zwischenrufer
@Zwischenrufer
Das Bärental wurde einem Juden, “abgekauft” während der Nazizeit. Das hat das damit zu tun. Die Rechtmässigen Besitzer leben heute noch. Das Bärental wurde praktisch gestohlen und Haider der dieses Tal geerbt hat hätte es schon längst zurückgeben sollen. Somit liegt er jetzt in seinem “Erbe” begraben. Ein Erbe der von seinem Onkel gestohlen wurde. Deswegen; auf Gestohlenem gibt es kein Segen.
Lg
RMP
Interessant, wie der Kabarettist und Satiriker Dr. Satori (aus Deutschland) mit dem Haider-Thema umgeht. In seinem neuen Artikel auf seiner Homepage (http://www.pseudolus.de) stellt er neue Sexpartner des verstorbenen Haiders vor. Schon ziemlich schräg, die ganze Angelegenheit.