Endorsement 08: Der Zwischenrufer wählt diesmal LIF!

Im Rahmen des Endorsement 08 begründe ich im folgenden Beitrag meine Wahlentscheidung:

Ich gebe es zu, die Entscheidung ist mir noch bei keiner Wahl so schwer gefallen wie diesmal. Bisher habe ich meistens für eine Idee, ein Programm oder eine Partei gestimmt, die mich irgendwie besonders angesprochen hat. Das war einmal SPÖ, dann wieder Grüne, ein anderes Mal die KPÖ. Zwischenzeitlich habe ich auch schon mal ungültig gestimmt. Noch niemals in meinem Leben habe ich rechts gewählt.

Bei der letzten Nationalratswahl 2006 bin ich für die SPÖ gelaufen, habe mir sogar extra Urlaub dafür genommen, weil ich den politischen Wechsel in diesem Land für unbedingt notwendig gehalten habe. Danach kam eine riesengroße, bittere Enttäuschung, die mir heute noch weh tut. Diese Erfahrung, der aktuelle Ultra-Populismus und die ekelhafte Kooperation mit der Kronen Zeitung verhindern bei dieser Wahl meine Stimmabgabe für die SPÖ. Ehe soll mir die Hand verdörren, als dass ich dort in den nächsten zehn Jahren wieder mein Kreuzerl mache.

Damit fallen schon einige Parteien weg.
SPÖ? – Den Fehler mache ich nicht noch einmal!
ÖVP?
– Na geh, net wirklich, ich bin schwul und das ist gut so.
FPÖ
und BZÖ? – Never! Das geht einfach mit meiner Lebensauffassung und meinen Überzeugungen nicht zusammen.
Dinkhauser? – Da fehlt mir jegliches Programm, da kommen nur hohle Phrasen. Also auch nix für mich.
Die Christen? – Eher friert die Hölle zu!
Die Linke? – Warum sollte ich trotzkistische Minisekten wählen?
Die KPÖ? – In der Steiermark oder in Graz wäre das eine Überlegung wert, österreichweit jedoch kommen sie für mich auf Grund ihres furchtbaren Personals in Wien nicht in Frage.

Bleiben also nur noch die Grünen und das LIF.

Die Grünen waren für mich über viele Jahre lang eine echte Alternative, ich habe mich dort in jungen Jahren auch selbst engagiert. Allerdings ist diese Partei, so wie sie sich heute darstellt, für mich einfach nicht mehr attraktiv. Mir fehlen glaubhafte politische Akzente, mir fehlt die Lebendigkeit und Innovation, für die ich sie früher so geschätzt habe. Außerdem nervt mich das krampfhafte Gutmenschentum fürchterlich, ebenso wie die völlige Kritikunfähigkeit dem Islam gegenüber. Migration hat eben nicht nur schöne Seiten, wer das negiert, arbeitet meiner Meinung nach naiv den Rechten in die Hände.

Also bleibt für mich nur das LIF übrig. Hier gibt es zwar auch Inhalte, die ich – vor allem als Gewerkschafter – nicht mittragen kann (wie etwa die Kampagne gegen die Pflicht-Mitgliedschaft bei den Kammern, oder die dubiose Forderung nach Senkung der Lohnnebenkosten), diese nehmen sich im Gesamtkonzept aber eher gering aus. Beim LIF gefällt mir die kompromisslose Verteidigung der Grundrechte, das ehrliche Engagement für Homosexuelle und Minderheiten abseits des Populismus, der Einsatz für neue Selbstständige, die sonst nirgendwo eine Vertretung haben, sowie die klare Absage an eine Politik, die von mächtigen, alten Zeitungszaren diktiert wird.

Ich wünsche mir eine Regierung, die die Menschen in diesem Land nicht noch weiter in die politische Frustration treibt. Eine Koalition, deren Programm sich nicht auf soziale Grauslichkeiten reduziert. Eine Politik, die wieder für die Menschen da ist und keine Angst hat, “heiße Eisen” anzugreifen, wenn es notwendig ist. Kurzum: ich wünsche mir die Ampel-Koalition.

Und weil es die nur mit den Liberalen im Parlament geben kann, werde ich sie auch wählen. Alles andere wäre taktischer Nonsens.

2 Kommentare zu „Endorsement 08: Der Zwischenrufer wählt diesmal LIF!“

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